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 Spatelschnabelenten
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Junge Schnabelspatelenten. An der Ente, die die Flügel hochstreckt, kann man sehen,daß sie keinen bunten Spiegel, der so typisch für Gründelenten
ist, besitzen
                                                         
Foto:Roy

Die Jahreszyklen der wildlebenden Entenvögel der nördlichen Welthalbkugel sind wegen dem regelmäßig verlaufenden klimatischen Wechsel der Jahreszeiten, gut vorhersehbar und somit auch die Züge, die mit präziser Regelmäßigkeit erfolgen. Die Anatiden-Popolationen der südlichen Welthalbkugel kennen diese regelmäßigen Rythmen nicht. Dort richten sich die Bewegungen und Züge nach den Niederschlägen, die oft nicht saisonbedingt, also nicht vorhersehbar sind. Solche Entenvögelpopulationen nennt man Nomaden oder auch Regen- Migranten. Der typischte Kontinent, mit total unvorhersehbar ziehenden Entenvögeln ist Australien. Die wohl am meisten umherziehende und unberechenbarste Ente Australiens ist die Spatelschnabelente (Malacorhynchus membranaceus).
                        Eine Ente der Überschwemmungsgebiete
Die immensen, von Menschen unbewohnten Gebiete Inneraustraliens, sind wüstenartig trocken, in denen es jedoch zeitweise äußerst heftige Niederschläge gibt, die riesige Überschwemmungen erzeugen. In solchen vorübergehenden Feuchtgebieten, lebt, brütet und zieht die Spatelschnabelente ihren Nachwuchs auf. Für die Naturforscher ist es ein Rätsel, wie die Vögel , die zum Teil sehr weit von einander entfernt liegenden, nur zeitweise wasserführenden Gebiete, finden. Die Spatelschnabelente hat sich vollkommen auf diesen Zustand eingestellt und besitzt deshalb kein angestammtes Brutgebiet, auch keine zeitlich festliegende Brutzeiten. Sie gerät nur in Brutstimmung, wenn sich bei starken Regenfällen überschwemmtes Land bildet und sich in Folge dessen ihre spezielle Nahrung entwickelt, die sie und ihre Küken ernährt. Wenn beste Konditionen vorhanden sind tätigt sie eine Brut nach der anderen, wobei die Jahreszeiten keinen Einfluß haben. Es ist aber auch möglich, daß in zu trockenen Jahren die Reproduktion  völlig ausfällt. Zu manchen günstigen Perioden kommt es in solchen überfluteten Gebieten zu enormen Konzentrationen von eifrig brütenden Spatelschnabelenten. Die nester können dann mit unter dicht bei dicht stehen, wobei jede mögliche und unmögliche Gelegenheit genutzt wird, um Eier abzulegen. Sobald ein Nest mit den geschlüpften Jungen verlassen wird, wird es sofort von einem anderen Paar in Beschlag genommen. Bevorzugt legt die Spatelschnabelente ihre Eier in Baumhöhlen. Auch in Astgabeln oder Gestrüpp am Boden werden Nester errichtet, oder sie profitiert von den Bauten anderer Wasservögel. Das Gelege besteht durchschnittlich aus 6 bis 8 Eiern und wird sehr dicht und reichlich mit ihren klebrigen Daunen ausgestattet. Die Partner scheinen sich für`s Leben treu zu bleiben. Das Nest mit der brütenden Ente wird vom Erpel bewacht. Die Brutdauer beträgt 26 Tage. Die Küken werden vom Paar gemeinsam aufgezogen.

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               Spatelschnabelente am Wasser
                                   
Foto:Roy

Unter den gegebene Bedingungen, ist es nicht ein- fach, den Bestand der Spatel- schnabelenten zu ermitteln.Als extremer Nomade sieht man Verbände von 100 bis 1 000, ja sogar Konzentrationen bis zu 20 000 Enten wurden schon an einem Ort, an dem sie über Nacht eingeflogen sind, gezählt, um bald auf Nimmerwiedersehen zu ver-

schwinden.Nach über einem Jahrzehnt der Forschung und Zählversuchen per Flugzeug weiß man immer noch sehr wenig über ihre Anzahl, da sie die unterschiedlichsten Süß-, Brack- oder Salzgewässer frequentiert und man noch nicht alle zeitweise wasserführenden Gebiete kennt bzw. ermittelt hat. Zudem gibt sie sich auch gern in Gesellschaft anderer Entenarten wie z. B. der Weißkehlenten (Anas g. grazilis), was das Zählen per Flugzeug nicht erleichtert. Sie scheint aber in recht großen Zahlen vertreten. Es werden mehrer Hundertausend Individuen vermutet. Die Anzahl unterliegt aber sicher starken Schwankungen. Die Jagd stellt allgemein auf dem australischen Festland keine große Bedrohung für die Entenvögel dar und erst recht nicht für die Spatelschnabelenten. Für die sportliche Jagd ist die Ente einfach zu zutraulich, denn sie zeigt kaum Fluchtverhalten. Todd schreibt über seine Beobachtungen, daß er die Ente sogar in Stadtgewässern sah und sie dort überhaupt keine Notiz von der menschlichen Anwesenheit nimmt. Für die Jäger scheint sie angesicht der Ernährungsweise vollkommen uninteressant, ihr Fleisch soll geschmacklich kaum attraktiv sein. Das Äußere dieser Ente ist schon eine bizzare aber nicht desto weniger charmante Erscheinung. Die deutsche Bezeichnung Spatelschnabelente isz kennzeichnend, denn sie bezeichnet sehr treffend den überdimensional langen Schnabel. Der australische Name Zebraente, ist auch sehr passend, denn die gesamte Unterpartie des Rumpfes, einschließlich der Flanken, weisen eine unregelmäßige dunkel-weiße Streifung auf, die tatsächlich an Zebras erinnert. In der englischen Sprache wird sie Rosaohrente genannt, wegen eines kleinen, kräftig rosa Fleckes am Ohr,der allerdings nur aus nächster Nähe sichtbar wird. Die, wie ein abgerundetes Dreieck wirkende dunkle Zeichnung um die ziemlich groß wirkenden, mandelförmigen Augen, geben ihr ein maskenhaftes Aussehen. Der recht dick erscheinende Hals, der kurze Schwanz, der überlange Schnabel und das alles auf sehr kurzen Beinen stehend, geben der Ente schon ein ganz merkwürdiges Aussehen und macht sie alles in allem zu einem kleinen Unikum. Die kurzen Beine mögen Unbeholfenheit vortäuschen, aber die Zehen sind mit spitzen Krallen ausgestattet, was der Ente erlaubt, recht gut zu klettern.   

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    Dreiergruppe auf dem Wasser
                        
Foto:Roy

Ihr Lieblingsaufenthalt ist auch, wenn vorhanden, auf überhängenden Ästen zu sitzen.Die Spatelschnabelentenküken sollen so gut klettern wie die der aufbäumenden Enten. Aber nicht nur ihr Äußeres ist einmalig unter den Enten,sondern auch das Verhalten ist sehr speziell in einer Weise, daß man nicht recht weiß, wo man sie in der Anatidenfamilie einordnen soll. Früher wurde sie wegen der ähnlichen Art der Nahrungsaufnahme, mit in die Gruppe der Gründelenten eingeordnet. Allerdings fehlt

ihr als wichtigstes Merkmal der Gründelenten, der glänzende Flügelspiegel. Etwas später sah man sie eher als eine abartige Gründelente. Mit den zunehmenden phylogenetischen Forschungen wurde es immer evidenter, daß sie nichts, mit irgend einer anderen Ente auf der Welt, gemeinsam hat. Die Ente besitzt neustens eine eigene Gattung in der sie der einzige Vertreter ist.
Der eigenartige bleigraue Schnabel mag auf den ersten Blick an den der Löffelente erinnern. Jedoch läuft der der Spatelschnabelente sehr viel breiter zur Spitze hin aus. Übrigens schlüpfen die jungen Spatelschnabelenten schon mit dem überdimensionalen Schnabel, was bei Löffelentenküken nicht der Fall ist. Auch das ganze Verhalten im Kleinalter hat nichts mit den Löffelentenküken zu tun. Die an den Spitzen des Oberschnabels herabhängenden Hautlappen sind weich und scheinen mit sensiblen Nerven, zum Aufspüren der speziellen Nahrung, ausgestattet zu sein. Sie stellen sicher einen Vorteil dar, zusammen mit den extrem dicht aneinandergereihten Schnabellamellen, um feinste fressbare Partikelchen (Kleinstlebewesen, Krustaceen, insekten und deren Larven, Samen, Algen, feine Wasserpflanzen) aus Schlamm und Wasser herauszufiltern. Der Schnabel wird dabei flach an der Wasseroberfläche gehalten oder bis zu den Augen eingetaucht. Der grund der extrem hoch angesetzten, fast an der Schnabelwurzel befindlichen Nasenlöcher isr sicher in dieser eigenartigen Futteraufnahme zu suchen. Oft kann man mehrere Spatelschnabelenten in der Runde schnatternd, hintereinander oder gegenüber, Schnabel an Schnabel schwimmen sehen. Auf den ersten Blick mag man es als ein Balzverhalten interpretieren. Es handelt sich jedoch um ein Futtererwerbs-Verhalten. Im Kreis schwimmend und dabei kräftig mit den Füßen tretend, wird ein Wirbel erzeugt, wobei feine Nahrungspartikel aufgewirbelt werden. Für Zierentenspezialisten gehört die Spatelschnabelente mit zu den begehrtesten Entenarten überhaupt, weil sie noch eine echte Herausforderung betreffend Züchtung darstellt. Die wenigen Paare, die sich in ganz Europa bei einigen wenigen Hobbyzüchtern befinden und die noch weniger erfolgreichen Züchter, denen die Nachzucht geglückt ist, kann man praktisch an einer Hand abzählen. In Deutschland wurde sie meines Wissens bisher noch nicht reproduziert. Einige bisher erfolgreiche Züchter befinden sich in England, Holland und Belgien. 

Worin die Nachzuchtschwierigkeiten bei der Spatelschnabelente bestehen, weiß eigentlich niemand so recht. Die Haltungs- bedingungen bei manchen dieser Besitzer sind hervorragend und die Tiere sind in guter Kondition. Trotz allem schreiten die Tiere nicht zur Brut. Angesichts ihre Herkunft ist sie in Europa in klimatischer Hinsicht nicht empfindlicher als die meisten unserer anderen Enten aus den warmen Regionen der Erde. Obwohl sie bei länger anhaltender Kälte doch etwas zu leiden

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       Paar der Spatelschnabelenten
                        
Foto:Roy

scheint. Darum erscheint es vernünftig, mit ihrer Anschaffung einen temperierten Unterschlupf vorzusehen, den sie aber vor allem bei feuchter Kälte, aufsuchen kann. Sicher verhält es sich mit der Spatelschnabelente so, wie mit vielen anderen Entenarten, die sich Anfangs in der Haltung befanden und erst schwierig zu züchten waren. Sicher muß auch erst bei der Spatelschnabelente eine kleine zuchtbereite Gehegepopulation entstehen, um sie dann auch regelmäßig nachzüchten zu können.

                                                        H. Roy