|
Lebensweise: Für ihre südamerikanische Heimat galten die Rotschulterenten stets als selten, einige Forscher schlossen um 1950 nicht aus, daß diese Art ausgestorben sein könnte. Dagegen berichtete (REICHHOLF 1975): ”Mit 4117 Individuen war die Rotschulterente die absolut häufigste Entenart im Untersuchungsgebiet, doch ist ihr Vorkommen auf ein verhältnismäßig kleines Gebiet in Chaco begrenzt, in dessen Zentrum sich die Pilcomayo - Lagunen befinden.Ein Paar, das wir am 12.9.1970 in Zentral-Mato Grosso feststellen konnten, ist daher bemerkenswert.” Das Pilcomayogebiet sind flußgespeiste Lagunen, in denen niederschlagsbedingte Wasserstandsschwankungen bis zu 2 m auftreten. Das Hochwasser überschwemmt weite Strecken angrenzender Savanne; hier und in den Flachwasserzonen der Ufer halten sich die Rotschulterenten bevorzugt auf. Ihre Fluchtdistanz gegenüber dem Menschen beträgt nur wenige Meter. Flußläufe werden nur selten bewohnt, weil sie überwiegend von Steilufern eingeschlossen sind (Wasserstandsschwankungen bis zu 10 m). Die Brutbiologie freilebender Rotschulterenten ist nur lückenhaft bekannt. Die Ablage von 5-8 weißen Eiern erfolgt in Baumhöhlen. Als Brutperiode werden für Paraguay die Monate September bis November angegeben. Nach beendeter Brutzeit kommt es zu Schwarmbildungen. Offenbar bestehen gewisse Biotop - und Verhaltensanalogien zur Krickente.
Nahrung in der Natur: Sie wird ausschließlich seihend von der Wasseroberfläch aufgenommen; Grünteile und Samen der Wasserpflanzen dürften stark dominieren
Haltung und Zucht: Nur wenige Rotschulterenten gelangten aus dem Ursprungsland nach Europa. Um 1908 erhielt der Zoo Berlin einige Erpel, 1919 importierte FOCKELMANN, Hamburg, drei Paare. Diese und einige weitere Einzeltiere bildeten den Stamm aller zwischen 1908 und 1940 in Europa gehaltenen Rotschulterenten. FICHTNER (1933) und MORITZ (1934) berichten darüber: Die drei Paare erhielt der Züchter SAMEREIER, Luderbach (Niederbayern), und erzielte 1912 erstmalig 32 Jungtiere. Durch weitere gute Zuchterfolge gelangten die Rotschulterenten binnen kurzer Zeit in viele europäische Zuchtanlagen und Zoos. Zu Beginn der 30er Jahre wurden die Tiere zunehmend hinfällig, ihre Zucht gelang nur noch selten; zweifellos eine Folge fortschreitender Inzucht. Nach 1950 gelangten erneut Importe nach Europa, speziell nach England. Die um 1955 einsetzenden Bruterfolge gingen nach 1965 erneut durch Inzucht zurück. Ein Teil der letzten Erpel hatte eine ungefleckte rosafarbene Brust; kleine Gelege (4-6 Eier), schlechte Brut - und Aufzuchterfolge, relativ hohe Anfälligkeit der Jung-und Altvögel waren typisch. Um 1970 erfolgte eine dritte Importwelle aus Südamerika. Deren Nachkommen bringen unvergleichlich höhere Nachwuchsraten. Die Gelegegrößen betrugen bis zu 13 Eiern. Rotschulterenten können in Kleingehegen, in Volieren (hier flugfähig) wie auf großen Gesellschaftsteichen (auch während der Brutzeit zu mehreren Paaren) gehalten werden. Flugfähige Tiere sind in der Regel ortstreu. Für den Winter wird ihnen ein frostfreier Raum geboten; die Füße der Rotschulterenten sind recht frostempfindlich. Die Geschlechtsreife tritt gegen Ende des ersten Lebensjahres ein. Eiablage in Nistkästen; flugfähige Weibchen benutzen gern hoch angebrachte Höhlen. Legebeginn ab letzter Aprildekade, meist erste Maihälfte. Mittlere Gelegestärke: Jungenten 5-7, Altenten 7-10 Eier. Die Eiablage erfolgt täglich. Brutdauer 24-28, meist 26 Tage. Beide Eltern übernehmen die Kükenbetreuung, offenbar ist der Erpel der aktivere Teil,d essen Führungstrieb den der Ente überdauert. Es liegt nahe, daß der Erpel die Kükenführung übernimmt, wenn die Ente das Nachgelege beginnt. Befiederung: Am 19. Tag entfalten sich Flanken - und Schulterfedern, am 21. die Schwanzfedern; zwischen 25 - 27 Tag sind Unterseite, Flanken und Schulter befiedert, es folgt die Entwicklung der Schwingen. Im Alter von 6-7 Wochen sind die Jungenten erwachsen, ab 8. Woche beginnt die Umfärbung in das Alterskleid, die mit 14-15 Wochen im wesentlichen beendet ist. Haltungsbedingt können beachtliche Verzögerungen auftreten. Die Kükenaufzucht erfolgt problemlos unter technischen Wärmequellen oder mit den Eltern. Neben Wasserlinsen ist ein normales Aufzuchtfutter zu bieten. Das Wärmebedürfnis ist nicht größer als das anderer kleiner Entenküken. Seit Sommer 1977 wachsen in der BRD weiße und gelbe Mutationen der Rotschulterente heran. |