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 Osterzeit - Brutzeit

                Das Für und Wider der Naturbrut bei Wildenten

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24 Stunden alte Mandarinküken kurz vor dem Absprung aus
                                      der Bruthöhle
                                           
Foto:Roy

Es ist wieder soweit - das Frühjahr hat Einzug gehalten und damit auch der Beginn der Reproduktionsperiode unserer geliebten Gefiederten. Sicher hat sich jeder schon seit einiger Zeit, wenn nicht schon seitlangem, Gedanken darüber gemacht, ob man nicht seins Zuchtmethode verbessern oder ändern möchte. Solche Gedanken werden von den verschiedensten Wünschen bestimmt, wie zum Beispiel: Arbeitserleichterung, Verbesserung der Zuchtresultate bzw. Verminderung der Verluste oder einfach nur mehr Freude an der Nachwuchsaufzucht zu haben. Alles das unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer einfach, vor allem wenn es um Tiere geht, die bevorzugt in Halbfreiheit und vergesellschaftet gehalten werden, wie das bei unseren Wildentenvögeln der Fall ist. Unter den Wildvögeln sind die Entenvögel, mit  Ausnahme einiger weniger Arten, mit am einfachsten zu halten und zu züchten. Das Einzige, was sie benötigen, ist genügend Bewegungsfreiheit, ein Mischfutter speziell auf ihren Bedarf abgestimmt und Wasser, nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Baden und Herumtollen, und das, je mehr um so besser. Die Aufzucht des Nachwuchses gelingt mit etwas Kenntnis, Erfahrung, Einfühlungsvermögen und einer Mindestausrüstung an Aufzuchtboxen mit Wärmequellen bestens, auch ohne natürliche Mutter oder Eltern. Bei Enten hat die künstliche Aufzucht für die spätere Paarzusammenstellung und Züchtung meist kein nachteiligen Folgen, solange sie in einer Gruppe, möglichst unter Artgleichen, gehalten werden. Etwas anders sieht es bei den Schwänen und Gänsen aus. Schon die Zuchtpaarbildung ist nicht immer sichergestellt. oft benötigt man eine ganze Gruppe, vor allem bei Gänsen, damit die Individuen sympatisieren und sich untereinander auswählen können. Ohne unser Eingreifen hält ein Paar, das sich selbst gewählt hat, oft “bis der Tod sie scheidet” zusammen. Unter “unser Eingreifen” versteht sich aber nicht nur ein eventuelles Trennen der Partner, sondern auch, wenn wir sie am Brüten oder am Aufziehen ihrer Küken hindern. Es ist erwiesen, daß die Treue der Gänse - oder Schwanenpartner vom gemeinsamen Zuchterfolg abhängig ist. Aber nicht nur aus diesem Grunde sollte man von der künstlichen Aufzucht der Schwanenküken und Gänsegössel abraten, sondern weil diese Küken einfach sehr viel leichter geprägt werden als das bei Entenküken der Fall ist.Viele Natur - und Verhaltensforscher, unter ihnen der berühmte Konrad Lorenz, haben sich mit der Prägung der Gänse beschäftigt.    

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                          Ein Paar Kaisergänse mit Gösseln
                                                  
Foto:Roy

Sie haben festgestellt, daß künstlich aufgezogene Gössel im Erwachsenenstadium oft Probleme bei der Partnerwahl haben. Es ist auch nicht immer einfach, Schwanen - oder Gänsepaare in einer Gruppe Entenvögel zu halten und ihre Jungen aufziehen zu lassen. Die meist exellenten und sich aufopferden Eltern sind oftmals sehr aggressiv, sie werden zum regelrechten Alptraum für alle anderen Insassen eines zu kleinen Geheges; Mordfälle kommen mitunter vor. Hauptsächkich sind das die nordischen Schwanenarten, Kanadagänse, ganz besonders Hühnergänse sowie alle Halbgänse. Diese Arten sind während der Jungenaufzucht fast ohne Ausnahme getrennt von allen anderen Tieren unterzubringen. Aber auch einige seltener gehaltene Entenarten wie die Dampfschiffente, Schopfente, Bronzeflügelente, Aucklandente und auch manche Ruderenten können bei der Verteidigung ihres Nachwuchses aggressiv gegenüber den übrigen Teichbewohnern werden. Allerdings gibt es auch da individuell Unterschiede unter den Arten. So können mitunter die schönen, aus Südamerika stammenden Schwarzhalsschwäne recht friedlich sein. Auch bei den australischen Trauerschwänen kommt es häufig vor, daß die Mitbewohner keine zu große Distanz halten müssen. Ziemlich friedfertig geht es auch bei Kaiser - und Streifengänsen zu. Auch die noch relativ selten zur Brut schreitenden Ringelgänse versuchen zwar beim Gösselführen mit viel Gegagse und vorgestrecktem Kopf zu beeindrucken, aber das sieht für die Insassen der Anlage gefährlicher aus als es ist. Die natürliche Führung von Gösseln durch die Eltern macht keine Schwierigkeit, wenn viel Platz und Rasen vorhanden sind. Allerdings sollte man in den ersten Tagen vielleicht den Auslauf etwas einschränken, damit die Gössel durch zu vieles Herumlaufen der Eltern nicht zu sehr strapaziert werden. Für die Ernährung der Gössel reicht ein kurz gehaltener Rasen und etwas Getreide, eventuell Pellets mit einem niedrigen Eiweißgehalt. Nur Kaisergänsen sollte man etwas proteinhaltiges Futter reichen, am besten in natürlicher Form von zerkleinerten , getrockneten und eingeweichten Garnelen und/oder Mehlwürmern. Für eine naturnahe Kükenaufzucht aller Schwanenarten ist es günstig, wenn sie in den ersten Tagen die Möglichkeit haben, im Pflanzendickicht unter Wasser herumzuwühlen. Das erreicht man, indem man die seichten bis zu einem halben Meter tiefen Bereiche in einem abgetrennten Becken, zuvoe mit Brunnenkresse, Wasserpest
oder ähnlichem verkrauten läßt. Die Eltern halten den Küken die Pflanzen vor. ie weichen Wasserpflanzen ermöglichen den Schwanenküken einen leichteren Start, als nur mit Gras. Allerdings ist das für die Schwanenarten aus der südlichen Welt oft kaum möglich, denn sie schreiten meist schon sehr zeitig, manchmal mitten im Winter zur Brut. Zu dieser Zeit steht kaum Pflanzenbewuchs zur Verfügung. Als ersatz sollte kleingeschnittener Salat, oder Gekeimtes gereicht werden. Es können auch kleine    

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   Familie Rotschulterente auf dem
               Gemeinschaftsteich
                        
Foto:Roy

Mengen Brot und natürlich auch Getreide und etwas Pellets verabreicht werden. Während man bei kükenführenden Schwänen und Gänseartigen, deren Aggressivität berücksichtigen muß, ist es bei den meisten natürlich aufziehenden Entenarten das Gegenteil: Man muß Maß-
nahmen ergreifen, um sie vor den Angriffen der anderen Anlagenbewohner zu bewahren. Iin Gemeinschaftgehegen ist die natürliche Aufzucht meist zum Scheitern verurteilt. Etwas besser gelingt sie, wenn die Paare gemeinsam versorgen, was bei sehr vielen, aus der Südwelt, vor

allem aus Südamerika stammenden Arten der Fall ist. Das wohl typische Beispiel ist die Rotschulterente. Mit etwas geduld und Erfahrung schaffen es diese kleinen Entenpaare hervorragend, sich genügend Respekt zu verschaffen. Aber auch einzelne dominierende und forsche Entenmütter schaffen es mitunter recht gut. Verblüfft kann man manchmal feststellen, daß recht schüchterne weibliche Enten, die sich zu sehr von den anderen, auch von ihrem eigenen Erpel beeindrucken lassen und sich bei jeder Gelegenheit von allen fortjagen lassen, auf einmal, in Begleitung ihrer kleinen Brut, sich total wandeln und in dreist verwegende Attaken alles um sich herum verjagen. Meist lassen sich solche Tiere dann auch in normalen Zeiten nicht wieder so schnell “auf den Füßen herumtreten”. Entenküken sind allerdings nicht so anhänglich, wie das bei den Schwänen, Gänsen und Pfeifgänsen der Fall ist. Vor allem will es die Natur  der in der nördlichen Hemisphäre beheimateten Entenarten, daß sie sehr schnell unabhängig werden. Je nördlicher ihr Brutgebiet ist, je mehr drängt bei diesen Enten die Zeit. Die Bindung zur Mutter lockert sich schon nach ein, zwei Wochen, jedoch halten die Jungenten in der Gruppe gut zusammen. In unseren Gehegen besteht dann die Gefahr, daß die zu schnell unabhängig gewordenen Jungtiere aus den unterschiedlichsten Gründen umkommen. Entenmüttern, denen es nicht gelingt sich gut durchzusetzen, sollte man ein seperates Gehege zur Verfügung stellen. Das gehege braucht nicht sehr groß zu sein,es muß jedoch der Ente möglichst außerhalb der Zuchtsaison zugänglich sein, damit sie sich mit ihrem Nachwuchs in einer fremden Umgebung nicht verunsichert fühlt. Auch sollte das abgegrenzte Gehege einen Sichtschutz besitzen, damit die Ente mit ihrem kleinen Gefolge nicht fortwährend an der Abgrenzung entlangläuft und somit die Kleinen unnötig ermüdet und vom Fressen und Baden abhält. Einen provisorischen Sichtschutz kann man sich für die kurze Zeit der Naturbrut schnell aus etwas Stoff oder Plane nähen. Man näht in die Bahn von etwa 60 cm Höhe in regelmäßigen Abständen vertikal Biesen, in die man Betoneisenstäbe hindurchzieht und anschließend in die Erde steckt. Solche abgegrenzten Bereiche wirken sehr beruhigend. Mutter und Küken kommen nicht auf die Idee, aus dem Gehege entweichen zu wollen und von außen kann niemand die kleine Familie belästigen. Ist kein geräumiges Einzelgehege vorhanden, oder besteht die Gefahr, daß dort Feinde eindringen, so kann man scheue und ängstliche Entenmütter oder Paare mit Küken in der ersten Zeit auf noch kleinerem Raum beherbergen. Dazu kann man einen kleinen Tunnel aus Plastenetz aufstellen, wie man sie manchmal im Garten aufstellt, um Früchte vor Vogelfraß zu schützen.

Das kleine, vorübergehende Gehege soll ganz hermetisch am Boden befestigt wer -
den und ebenfalls einen Sichtschutz haben. Eine nach oben hin schützende Abdeckung
(gegen Regen und Hitze) für das Unterstel -
len von Futter und Trinkwasser ist außer - dem nötig. Natürlich hat auch eine Badege-
legenheit vorhanden zu sein. Dazu kann man einen großen Mörteltrog ins Erdreich bzw. besser in eine Rasenfläche einlassen und den Wasserwechsel (mehrmals am Tag
oder ständig in kleinen Mengen) mittels eines Gartenschlauches und einer Pumpe, vornehmen. Notfalls geht die Unterbringung auch in einer geräumigen Aufzuchtbox. In

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 Ein Tunnel aus Plastenetz schützt die
 Entenmutter mit ihren Küken in den
         ersten Tagen vor Feinden
                        
Foto:Roy

solchen Einzelunterbringungen kann man sehr viel gezielter Sonderzuteilungen, abgestimmt auf die Art an Nahrung verabreichen. Das ist entscheidend, um einen gesunden und robusten Nachwuchs aufzuziehen. Mit diesen drei getrennten Unterbringungsmethoden der kükenführenden Enten habe ich die besten Erfahrugen gemacht. Sie sind verlustlos und besonders zu empfehlen, wenn man tagsüber abwesend ist. Nach zehn Tagen kann man die Ente meist mit ihrem kleinen Gefolge freilassen. Abgesehen von der praktischen und nützlichen Seite der künstlichen Aufzucht, ist doch auch die Freude groß beim Anblick eines reizenden, kükenführenden Enten -, Gänse - oder Schwanenpaares. Man kann sich kaum trennen von solch einem Bild. In Zoo´s oder öffentlichen Parkanlagen kann man amüsiert beobachten, welchen Menschenauflauf von Groß und Klein solche liebenswerten Entenvogelfamilien provozieren. Es ist bestimmt ein ganz besonderes

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 Krickente mit ihren zwölf Tage alten
                          Küken
                        
Foto:Roy

und seltenes Privileg als Naturforscher oder Fotograph in die entlegensten Teile der Welt zu reisen um vor Ort, d. h. in der natürlichen Wildbahn der Vögel, deren Verhalten, wie Balz, Paarung und Nach -wuchsaufzucht zu beobachten und zu studieren. Solche Reisen sind manchmal nur unter Mühen und großen Kosten möglich. Wir Liebhaber und Züchter von Entenvögeln haben das große Privileg, die meisten Arten aus den entferntesten 

Ecken der Erde, in der eigenen Anlage, unter Aufwand von erschwinglichen Kosten, halten, züchten und nach herzenslust beobachten zu können. Da wäre es doch schade, wenn man sich um einen Teil des Vergnügens, nämlich die natürliche Kükenaufzucht, bringen würde. Zusammenfassend kann ich nur jedem Züchter der Entenvögel raten, die natürliche Kükenaufzucht zu versuchen. Der Anfänger hat manchmal kein andere Wahl, da er noch nicht weiß, wie man die künstliche Aufzucht handhabt. Der erfahrende Züchter und Anhänger der künstlichen Aufzucht weiß nicht, welcher Freude er sich entzieht, wenn er nie seine Entenvogelmütter oder Eltern ihren Nachwuchs selbst aufziehen läßt.

                                                           Heidi Roy