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Wenn sich Enten des hohen Nordens in unserer Haltung wohl fühlen sollen, müssen ihre Ansprüche, zumindest in den lebenswichtigen Punkten, erfüllt werden.
Wie soll eine Zuchtanlage für Meeresenten beschaffen sein?
Dazu gehört die möglichst getreue Nachahmung des natürlichen Lebensraumes. Kragenenten lieben zum Beispiel den Aufenthalt an felsigen Stellen mit rasch fließendem Wasser. Alle anderen Arten mögen zur Brutzeit eine möglichst überseh - bare, flache, baum - und strauchlose Umgebung. Man sollte ihnen eine Art Tundra schaffen. Das wichtigste Element, das Wasser in dem sie sich aufhalten, muß so sauber, frisch und sauerstoffreich wie möglich sein. Ein solches qualitativ gutes Wasser können nur Quellen, sauber und schnell fließende Bäche oder angebohrtes Grundwasser liefern. Man braucht sich keinen Illusionen hinzugeben und hoffen, Meeresenten auf stehenden, im Sommer mit der Tendenz zum Umkippen neigenden Gewässern lange gesund am Leben zu erhalten. Es sei denn, man filtert das Wasser und reichert es ununterbrochen mit Sauerstoff an, vor allem während der warmen Jahreszeit. Die hochsommerlichen Hitzewellen verbunden mit Trockenheit, sind für Meeresenten unerträglich. Die Hitze lähmt sie förmlich. Sie haben dann nicht einmal mehr den Reflex ins Wasser zu gehen, um zu trinken und sich zu erfrischen. Sterblichkeit wegen Dehydratierung sind folglich keine Seltenheit.
Ernährung
Die meisten arktischen Entenarten werden noch relativ selten in Menschenobhut gezüchtet. Nachdem was bekannt wurde, ist die Züchtung bisher nur einigen wenigen europäischen Züchtern in den letzten Jahren gelungen. Die Preise für solche Nachzuchten sind dementsprechend und leider nicht für jede Geldbörse zugänglich. Diejenigen, die ihre ganzen Ersparnisse in diese anspruchsvollen Enten stecken, müssen sich von Anfang an darüber klar sein, daß es mit der teuren Anschaffung allein nicht getan ist. Der unterhalt ist ebenfalls finanziell sehr aufwendig. |
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Verschiedene arktische Enten Prachteider -, Eis - und Scheckenten Foto:Roy |
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Es ist naiv zu glauben, daß jedes gewöhn - liche Futter für Gründelenten seinen Zweck seinen Zweck erfüllt. Wir haben das große Glück, daß neuerdings ein qualitativ hochwertiges Futterprogramm, nicht nur speziell für Entenvögel, sondern insbesondere abgestimmt auf Meeres - vögel, aus deutscher Produktion zur Ver - fügung steht. Zu dieser speziellen handels- üblichen Nahrung kann man einen kleinen Anteil an natürlichen Futter reichen. |
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Das können kleine Fische, getrocknete Garnelen und Mehlwurmlarven sein. Es ist jedoch nicht ratsam, ausschließlich oder zuviel toten Fisch zu füttern. Toter Fisch enthält hohe Mengen an Thiamin, was einen Mangel in der Vitamin B - Gruppe verursachen kann. Ich mache es mir hier zur besonderen Aufgabe, vor der Verfütterung von Hundekroketten zu warnen. Natürlich kann man mir entgegenhalten, daß die Meeresenten auf diese Art Nahrung ganz verrückt sind. Das ist jedoch kein Qualitätskriterium. Solche Produkte sind für Hunde bzw. für Säugetiere entwickelt worden und nicht für Meeresvögel. Sie enthalten meist viel zu hohe prozentsätze an reinem Säugetier - Eiweiß und Fett. Natürlich haben Meeresvögel eine fast ausschließlich tierische Diät. Das sollte aber nicht dazu verleiten, solche für Meeresvögel minderwertige und ungeeignete Nahrung zu reichen. Man war noch vor einigen Jahren der Meinung, daß man Meeresenten kein Futter mit einem zu hohen Prozentsatz (nicht mehr als 20 Prozent) an reinem Eiweiß reichen sollte. Denn man vermutete, daß ein Übermaß, Nierenprobleme und in der Folge Gicht, Arthose (Humpeln) und Leberprobleme verursachen kann. Ludger Brehmer, ein bekannter Meeresentenzüchter, ist jedoch gegenteiliger Meinung. Seines Erachtens gelingt die Aufzucht der anspruchsvollen Meeresvögel mit einem Futter, das einen zu geringen Eiweißanteil hat, nur unter hohen Verlusten. Diejenigen, die aufwachsen, leiden dann an Mangelerscheinungen, sind also lebenslang Schwächlinge und nur gering fortpflanzungsfähig. Das wichtigste an einer speziellen Meeresvogel - Nahrung ist also die Qualität des Eiweißes. Es muß nämlich genau das Eiweiß sein, das sie in der Natur finden, z. B. aus Fisch und Garnelen, mit Zusätzen von Algen und Meersalz und ohne Zusätze von Eiweiß zweifelhafter Herkunft. Seine langjährigen Erfahrungen und anfänglichen Mißerfolge hat Ludger Brehmer dazu veranlaßt, ein spezielles Futterprogramm für Meeresvögel zu entwickeln und es steht nun seit einiger Zeit unter dem Namen “Lundi” den Züchtern ganz Europas zur Verfügung.
Empfindlichkeit gegenüber Krankheitskeimen
Die größte Schwierigkeit, die arktischen Entenarten bei guter Gesundheit zu erhalten, besteht wohl in der Empfindlichkeit gegen bestimmte Krankheitserreger, mit denen sie in unseren Breiten in Berührung kommen und gegen die sie jedoch keine natürlichen Abwehrkräfte besitzen. |
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Sie existieren nicht in ihrem Abstamm - ungsgebiet. Hier “beißt sich jedoch die Katze in ihren eigenen Schwanz”, nämlich wenn die Ernährung und die Haltungsbe - dingungen nicht stimmen, fühlen sich die Vögel unwohl und damit verbunden ist natürlich ein schwaches und schlecht funktionierendes Immunsystem. Eines der größten Probleme verursacht die Geflü - geltuberkulose. Aktuell kann man noch nichts dagegen unternehmen, außer für eine einwandfreie Hygiene und beste |
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Ausgelassen herumtollende nordische Enten (Pazifische Eiderenten, Plüsch - enten und Eisenten) Foto:Roy |
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Haltungsbedingungen zu sorgen. Seit mehren Jahren testet der Wildfowl Trust in England einen Impfstoff. Die Versuche sind vielversprechend. Man kann nur hoffen, daß der Impfstoff bald zur Verfügung steht, um die Tiere im Jungtieralter zu immunisieren. Eine weitere Art der Erkrankung, typisch für nordische Vögel, wird durch Mykosen hervorgerufen; weitläufige Verwandte der Schimmelpilze. Die eine ist die Aspergillose. Hitze und überdurchschnittliche Luftfeuchtigkeit favorisieren die Krankheit. Die therapeutische Behandlung durch Antibiotika ist praktisch unwirksam. Weitaus wirksamer ist es, für eine einwandfreie Hygiene zu sorgen. Der Erwerb und Transport von neuen Tieren sollte auf jeden Fall während der kühlen Jahreszeit und außerhalb der empfindlichsten Zeit, der Mauser, erfolgen. Der Transport in die neue Anlage sollte in gut gelüfteten, geräumigen Kisten, ausgestattet mit ungebrauchtem, trockenen Torf, erfolgen. Der Streß hat so gering und so kurz wie möglich zu sein. |
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Weiterhin muß unbedingt darauf geachtet werden,daß die spezielle artgerechte Nahrung stets frisch ist und unter besten Bedingungen gelagert wird, damit Feuchtigkeit und Schimmel keine Chance haben, sie zu erreichen. Maiskörner, die sehr schnell schimmeln, oft schon auch dem Halm, sollte man als Zusatz auf jeden Fall weglassen. Die andere Mykose sind verschiedene Candidosen, eine typische Pilzerkrankung der Verdauungsorgane bei falscher, unnatürlicher Ernährung, wie sie ja auch bei uns Menschen existiert. Sie läßt sich durch artgerechte Ernährung vermeiden. Man kann oft, gerade bei Meeresenten, Gefiederprobleme beobachten. Das zeigt sich vor allen an Löchern am Brust - und Bauchgefieder. Der Grund dieser Federanomalie ist noch nicht vollkommen geklärt. Es handelt sich in vielen Fällen (aber nicht nur) um Ektoparasiten, die vom Gefiesder und Hautresten auf den Vögeln leben. Solch Parasitenbefall ist immer ein Zeichen von Abwehr - und allgemeiner Schwäche, ein Zeichen also, daß irgendetwas mit dem Tier oder seiner Umgebung (Qualität des Wassers, Futter) nicht stimmt. Man sollte nicht davor zurückschrecken, solch ein betroffenes Tier einzufangen, ganz genau zu untersuchen und bei Bestättigung des Verdachtes mit einem Antiparasitprodukt äußerlich zu behandeln. Ist das Gefiederloch nicht zu groß, kann man die Federstummeln ausreißen, damit neue Federn nachwachsen. Auf diese Weise kann man beobachten, ob sich der Fall bessert. denn solche Stellen werden von der Ente meist intensiv mit dem Schnabel bearbeitet, wodurch eine Wasserundichte entstehen kann. Die Ente mag sich dann nicht mehr gerne im Wasser aufhalten, was gerade für Meeresenten bestimmt nicht das Ideale ist. Aber gerade um solche Probleme zu vermeiden, ist wiederum eine rigorose Hygiene und beste Haltungsbedingungen die beste vorbeugende Methode. |
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Das Gehege soll möglichst großräumig und nicht überbesetzt sein. Die Vergesellschaftung mit anderen Entenarten, besonders den Gründelenten, ist nicht angebracht. Letztere können Krankheitskeime beherbergen, an denen sie selbst nicht erkranken. Besitzt man mehrere Gehege mit durchfließendem Wasser, so sollten die arktischen Enten das Wasser an der Quelle bzw. in Richtung gewässerabwärts am Anfang zu den anderen Gehegen erhalten. Während großer Kälteperioden muß unbedingt |
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dafür gesorgt werden, daß zumindest ein Teil der Wasserfläche eisfrei bleibt. Nordische Enten in einem schützenden Innenraum unterzubringen, ist auf jeden Fall die total falsche Maßnahme. Wenn eine oder sogar mehrere dieser wichtigen beschriebenen Bedingungen nicht erfüllt werden können, sei es aus finanziellen oder örtlichen Gründen, so sollte man lieber auf die Anschaffung solcher anspruchsvollen Wasservögel verzichten, allein aus Liebe zu den Tieren.
Aufzucht der Meeresentenküken
Was über die Gesundheitsprobleme der erwachsenden Enten gesagt wurde, gilt auch für die Entenküken, besonders was die Aspergillose betrifft. Weitere gesundheitliche Schädigungen verursachen Darminfektionen, Lungenentzündungen und in den ersten Tagen Dottersackinfektionen. Um einen guten Start im Leben der Entenküken zu gewährleisten, sollte die bestmögliche Brut erfolgen. Unter guten Voraussetzungen wird das am besten von der Entenmutter garantiert. Wenn das nicht der Fall ist, müssen die Eier einem Inkubator anvertraut werden. Die Eier dieser Entenarten sollten nur der zuverlässigsten Brutmaschine, die es auf dem Markt gibt, anvertraut werden. Sie sollte auf jeden Fall Luftumwälzung und regelbare Luftfeuchtigkeit besitzen. Auf diese Weise wird eine gute Entwicklung der Embryonen und der Schlupf der Entenküken am besten gewährleistet. In der Aufzuchtphase muß eine rigorose und einwandfrei Sauberkeit herrschen.Das Entenkükenheim muß möglichst praktisch und einfach zu säubern sein. |
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Es soll einen größeren, unbeheizten Teil besit - zen, sowie ein Wasserbecken mit flachen und tiefen Teilen, damit die Meeresentenküken möglichst bald schwimmen und tauchen kön nen, was wichtig für das Wohlbefinden ist. Während es für alle anderen Entenküken tropischer und subtropischer Herkunft ratsam ist, genau den Tages/Nachzyklus einzuhalten, so ist es für die arktischen Entenküken angebracht, den Polar - sommer zu imitieren, d. h. Tag und Nacht das Licht angeschaltet zu lassen. Selbstverständlich soll auch rund um die Uhr Wasser und Nahrung zur Verfügung stehen. |
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Eisentenpaar im Brutgefieder, das zum Balzgefieder kontrastiert Eisenten mausern drei mal pro Saison und sind in dieser Zeit besonders empfindlich Foto:Roy |
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Auf diese Weise wird für ein schnelles Wachstum gesorgt, so wie es in der Natur erforderlich ist. H.Roy |
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