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 Nordische Meeresenten I
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             1,0 Kragenente noch nicht ganz ausgefärbt
                           
Foto:Hötzel/Thomas/Rudloff

Nach Livezey (1986) werden alle nordischen Meeresenten und Säger in einem gemeinsamen Tribus (Mergini) zusammengefaßt. Weitere Autoren vertreten eine andere Auffassung, indem sie die Eiderenten ausklammern und einen eigenen Tribus (Somaterini) zuordnen (zum Beispiel Delacour 1954 bis 1964). Drei Sägerformen passen hierbei nicht in das Verbreitungsschema, das sonst diese Gattungsgruppe charaktarisiert. Dazu gehört der Dunkelsäger (Mergus octosetaceus) aus Süd - Brasilien, ebenfalls der äußerst seltene Schuppensäger (Mergus squamatus) ostasiatischer Bergflüsse und der bereits ausgestorbene Aucklandsäger (Mergus australis). Sämtliche Vertreter der Meeresenten und Säger erwerben überwiegend tauchend ihre Nahrung. Neben pflanzlicher Kost (Algen, Seegrasteile, Sämereien) spielen animalische Nahrungsanteile die weitaus größere Rolle (Insekten, Krebstiere, kleine Fische, Fischbrut, Muscheln und vieles mehr). Auffallend ist auch, daß die meisten Arten vergleichsweise sehr saubere nährstoffreiche Küstenregionen bewohnen. Diese Vögel stellen durchaus einen bedeutenden Indikator für die Qualität von erstaunlich vielfältig gestalteten Lebensräumen dar, die insbesondere der Mensch immer stärker für seine Zwecke verändert. Gerade aber die Anpassung dieser Art an das Lebenselement Wasser zeigt unter Umständen erschreckend deutlich, wie verletzlich Ökosysteme dieser Erde in Fällen von Umweltverschmutzungen und Biotopzerstörungen doch sind. Um hier einen Bezug zur Haltung in menschlicher Obhut zu finden, sei deutlich vermerkt, daß künstlich angelegte, oder natürlich vorhandene Teichanlagen nicht immer den Ansprüchen dieser herrlichen Wasservögel genügen. In erster Linie beobachten Zuchtfreunde immer wieder ganz bestimmte Erkrankungen, deren Ursachen man heute sehr gut kennt. Dennoch fällt es manchmal aus den unterschiedlichsten Gründen schwer, diese Probleme ohne größeren finanziellen Aufwand in den Griff zu bekommen. Grundsätzlich gehören Meeresenten und Säger zu den begehrten Arten, einige Züchter haben sich gänzlich darauf spezialisiert und können ein wertvolles Potential an Erfahrung vorweisen.
Bis auf eine Ausnahme sind die rezenten Vertreter der Gattungsgruppe Mergini Zugvögel. In ihren weiter südlich gelegenen Überwinterungsgebieten müssen sie

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    Naturhöhle für Meeresenten und 
                           Säger  
            
Foto:Hötzel/Thomas/Rudloff

allerdings unter Umständen harte Kälte - perioden auf offenen Wasserflächen überstehen. Nicht alle Arten leben an den nordischen Meeresküsten, einige nutzen auch Waldseen, Flußauen oder Gebirgs - flüsse als bevorzugte Sommeraufenthalte. Unter allen Species sind sowohl echte Höhlen - als auch Freibrüter zu finden. Bis auf den Dunkelsäger zeigen Meeresenten und Säger im Aussehen sehr deutlich ausgeprägte Geschlechtsunterschiede. Im Jugend - und Ruhekleid ist es für den naturinteressierten Beobachter weitaus schwieriger, männliche und weibliche Vögel genau anzusprechen. Die oft prächtig gefärbten Erpel ähneln außerhalb der fortpflanzungsaktiven Zeit weitgehend den eher unauffällig gefärbten Weibchen.

Aber auch im Verhalten haben Meeresenten und Säger einiges zu bieten. Sie tauchen sehr geschickt nach Nahrung und nutzen die Tiefen des feuchten Elements als Fluchtmöglichkeit vor natürlichen Feinden. Leider kommen von einigen Arten (zum Beispiel Eiderente S. mollissima) sehr viele Individuen zu Tode, da sie sich in den Reusen der Fischer verfangen. Große Gefahr droht den meisten Vertretern dieser Gattungsgruppe, wenn wieder eimal großräumige Küstenabschnitte von einer Ölkatastrophe betroffen sind. Bereits in den Winterquatieren bilden sich aus den 

imposanten Gruppenbalzaktivitäten die Paare heraus. Teils sehr eigenartige stimm - liche Äußerungen der männ,ichen Tiere untermalen dieses lebhafte Bild der Natur. Wenn einmal in Menschenobhut ein einzelnes Paar keinen Nachwuchs bringt, kann das unter Umständen an der fehlenden Gruppenbalz liegen. Mehrere Paare auf einer bewährten Anlage wirken zweifelos agiler und lassen sich zumeist leichter nach - ziehen.

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                   1,0 Eiderente 
          
Foto:Hötzel/Thomas/Rudloff

                                              Haltung und Pflege

Meeresenten und Säger gehören zu den äußerst begehrten Wasservögeln. Nicht jeder kann den Tieren optimale Lebensbedingungen bieten, und nur wenige Zuchtfreunde sind in der Lage, etwa Kragen - und Plüschkopfenten (H. histrionicus; S. fischeri) so aus der Tasche heraus zu bezahlen. Wie gut, aber auch artgerecht diese interessanten Geschöpfe der Natur untergebracht sind, spiegeln Lebensalter und Zuchtergebnisse deutlich wieder. Hohe Mortalitätsraten bei manchen Arten verdeutlichen den Schwierigkeitsgrad der Haltung unmißverständlich. Der Anfänger wird sich eher mit Kappensägern (M.cucullatus) oder Schellente (B. clangula) befassen, da diese durch gute Nachzuchten erschwinglich sind und inzwischen ein enormes Potiental an Erfahrung und fachlich guter Literatur zur Verfügung steht. Grundlegend benötigen die nordischen Arten ein höheres Maß in Bezug auf die Qualität von Wasser, Luft und Futter, Zuchtanlagen inmitten von Industriegebieten, an stark befahrenden Straßen oder nährstoffreiche stehende Gewässer sind denkbar ungünstige Faktoren für die Meeresentenhaltung. Die Tiere mögen in erster Linie sauerstoffreiches Wasser, das gute Sichtweiten beim Tauchen ermöglicht. Einige typische Erkrankungen (Aspergillose, Pneumonie) lassen auf stärker belastete  Luftverhältnisse schließen. Nicht selten verursacht der gefürchtete Botulismus, als Folge von mangelner Teichhygiene, ein Massensterben.
Bei den Kragenenten hat Behmer (1996 brieflich) eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Spulwürmern festgestellt. Einiges davon ist durchaus mit Sachverstand und Mühe in

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     1,0 Gänsesäger (sich sonnend)
           
Foto:Hötzel/Thomas/Rudloff

den Griff zu bekommen. Am wenigsten wird man etwas gegen schlechte Luftwerte unternehmen können.
Zur Fütterung teilen mir Zuchtfreunde von Meeresenten sehr unterschiedliche Kon - zepte mit. Die Profis unter ihnen versorgen die Tier mit Geflügelkorn (Pellets - 18,5 Prozent Rohprotein), Weizen, Meeresentenfutter (32 Prozent Rohpro - tein) und hochwertigen Hundepellets
(zum Beispiel Pecabello). Die Futter -
palette anderer Züchter reicht von Hirse,

Garnelen, kleinen Fischen, einigen Mehlwürmern bis zum bewährten Preßfutter. Letzteres wird in trockener Form am Ufer angeboten, die Hundepellets und das Meeresentenfutter werden dagegen im Wasser gereicht. Auch Gründel - , Tauch - , Glanz - oder auch Ruderenten lassen sich durch eine Zusatzfütterung mit Hunde - oder Meeresentenpellets sehr gut zur Eiablage stimulieren. Neben der gewünschten Eiablage gehören ebenso gute Schlupfergebnisse zu den Zielsetzungen erfolgreicher Zuchtfreunde. Es kommen moderne Brutmaschinen zum Einsatz, die jedoch die Naturbrut nicht im vollem maß ersetzen können. Nicht selten bebrüten die Enten zumindest zwei Drittel der Inkubationszeit ihre Eier selbst. Erst dann nimmt man das Gelege in den Automaten. Mit dieser Praxis werden grundlegende Brutfehler vermieden. Die oftmals hohen Schlupfraten beweisen das sehr eindrucksvoll. Professionelle Zuchtfreunde verwenden für die Kükenaufzucht spezielle Boxen, in denen ein feines Drahtgeflecht eingelegt ist. Die im Wildfowl Trust ( England) entwickelten Aufzuchtboxen finden inzwischen immer mehr Interessenten. Da die Küken durch die häufig angewandte Kunstbrut noch nicht wasserfest sind, stellt man ihnen zunächst flache Wasserschalen zum Trinken und Baden hinein. Einige Perfektionisten sorgen dabei über ein ausgeklügeltes Schlauchsystem für

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                      1,0 Prachteiderente
                  
Foto:Hötzel/Thomas/Rudloff

für ständig frisches Wasser. Als lebenswichtige Wärmequelle dient ein installierter Dunkelstrahler. Bei Brehmer werden die Jungtiere, von Anfang im Freien aufgezogen, inklusive Schutzdach und Wärme - lampe.
Als erstes Aufzuchtfutter geben Zuchtfreunde immer wieder Mehl - würmer an. Das hat seinen besonderen Grund, da Meeres -  enten - und Sägrküken zuerst auf sich bewegende Nahrung fixiert sind. Fischer (1996 brieflich) wälzt angefeuchtete Mehlwürmer in gemahlenden Pellets, um die

Küken möglichst schnell an die Aufzuchtpellets zu gewöhnen. Brehmer reicht überwiegend geschrotetes Seentenfutter, da es in dieser Form leichter aufgenommen werden kann. Natürlich gibt es auch noch spezielle Weichfutterrezepturen, Bachflohkrebse und einiges mehr, mit denen sich Meerenten und Säger erfolgreich aufziehen lassen. Eine Tauch - und Schwimmgelegenheit erhalten die Jungtiere zumeist erst dann, wenn die Jugendbefiederung voll abgeschlossen ist.

                                                       Torsten Hötzel