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 Mittelsäger
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Lebensweise:
Im Gegensatz zu anderen Sägerarten ist der Mittelsäger ein ausgesprochender Bodenbrüter und demzufolge in seinem Brutvorkommen nicht auf waldumsäumte Gewässer beschränkt. Er bewohnt neben offenen Tundra -, Steppen - und Prärieniederungen vorzugsweise kiesgründige, fischreiche Binnenseen, Flußläufe und kleine, küstennahe Inseln der borealen Zone. Auf der etwa 36 ha großen Fährinsel bei Hiddensee brüten durchschnittlich 80 Paare in einer flachwelligen Wacholder - Heidekraut - Landschaft mit eingesprengten, teils anmoorigen Salztümpeln und einzelnen Rosen, Weißdornsträuchern, flachwüchsigen Weiden, Stechpalmen und Birken. Die Bodenflora bilden Heidekraut, Glockenheide und Gräser. Ein 15 - 20 m
breiter Sandstrand bildet den Übergang zum Bodden. In anderen Gebieten nisten die Mittelsäger unter Büschen, zwischen Wurzeln, Gesteinen und Felsbrocken. Auf der dänischen Insel Vejlerne nördlich des Limfjordes brüten etwa 80% der 75 - 100 Mittelsäger - Paare im Bereich des Winterflutsaumes, der im Sommer dicht mit Brennessel - Schilfrohr - Beständen bewachsen ist.
Anfang April treffen die hiesigen Populationen an ihren Brutplätzen ein; bis Ende Mai ziehen nördlicher beheimatete Mittelsäger durch. Die über Wochen anhaltende Balz wird in der Nähe  der Brutplätze vor der Küste ausgetragen. Die allein vom Weibchen errichteten Nester befinden sich stets in guter Deckung zwischen Gebüsch, unter Wacholdersträuchern oder im Heidekraut. Auf der Fährinsel beträgt der Nestabstand teiweise weniger als einen Meter; dies zeigt, daß der Mittelsäger durchaus zum Koloniebrüten geneigt sein kann. Die Eiablage beginnt an der Ostsee in der zweiten Maihälfte. Die Vollgelege bestehen aus 8 - 12, teils bis 14 olivbraunen oder grünlichen Eiern, die in einem Legeintervall von ca. 1,5 Tagen abgelegt werden. Die Brutdauer liegt im Mittel bei 31 - 32 Tagen. Die Sorge der Weibchen um die 12 - 14 Stunden nach dem Schlüpfen das Nest verlassenden Küken scheint unterschiedlich zu sein. Einigen Autoren zufolge bleiben die Jungen sich völlig selbst überlassen, andere berichten von einer intensiven Jungenführung durch den Altvogel. Nach CURTH (1954) führen die meisten Weibchen ihre Küken, doch sah er mehrfach solche mit 20 bis 32 Küken, also mit Adoptivkindern sowie einige Gruppen ohne Alttiere.
Um den 10. Juli beginnen die Mittelsäger der Ostseeinseln in Trupps an der Küste umherzustreichen; nordöstlicher Zuzug setzt meist erst im Oktober ein. Während des Winters halten sich die Mittelsäger vorwiegend an den Küsten und im Bereich küstennaher Binnengewässer auf.

Nahrung in der Natur:
Diese bilden unter 10 cm lange Fische (Tagesbedarf etwa 300 g), in den Sommermonaten ferner Krebstiere, Wasserinsekten, vereinzelt Mollusken und Würmer.

Haltung und Zucht:
Gelegentlich eingefangende Altsäger oder aus Eiern von Wildvögeln aufgezogende Junge wurden wiederholt in Zoos, seltener in Zuchtanlagen gehalten.So besaß der Zoo Berlin von 1874 bis 1888 (und vermutlich auch danach) Mittelsäger. HEINROTH (1931) zog 6 Männchen bei geringstem Wasserangebot auf, die sich prächtig entwickelten. In der Anlage von KOLBE leben seit 1972 Mittelsäger, mit einem 1973 aufgezogenen Weibchen und einem 1975 aufgezogenen Erpel gelang ihm 1977 die Erstzucht in der DDR.
Gut eingewöhnte Mittelsäger eignen sich wie die anderen Säger - Arten ausgezeichnet für die Pflege auf Zuchtteichen. Wegen ihrer hohen Bewegungsaktivitäten sollte die Teichanlage nicht zu klein und 80 - 100 cm tief sein (Ansprüche wie Schellente). Die Überwinterung erfolgt auf einer eisfreien Wasserstelle. Handaufgezogene Mittelsäger sind meist zahm und hören wie kaum ein anderer Entenvogel auf Rufnamen oder kurze Sätze. Bösartigkeiten gegenüber anderen Arten wurden nicht beobachtet. Obgleich Mittelsäger allein mit Pelletfutter und Getreide ernährt werden können, erhalten die Tiere von KOLBE zusätzlich ein - oder zweimal täglich etwa 10 - 15 g schwere Flußfischstückchen oder unzerteilte Flußbarsche etwa bis 20 g.
Erfolgreiche Zuchten lassen sich schwer einordnen; in Westeuropa werden zwar alljährlich Mittelsäger angeboten, von diesen Tiere dürften jedoch viele aus Wildvogeleiern stammen. Mit Sicherheit gelingt die Zucht seit Jahren im Wildfowl Trust, steht jedoch quantitativ der der Zwerg - , Kappen - und Gänsesäger nach. In der Anlage von Kolbe begann die Eiablage zwischen Ende Mai und Mitte Juli, der Erpel trug derzeit schon das Ruhekleid, befruchtete jedoch normal; Legeintervalle 48 Stunden. Nestanlage unter Chinesischem Wacholder, dreimal am gleichen Nistplatz. Frischgeschlüpfte Küken prägen sich sehr stark, so daß der Kontakt Züchter - Küken in den ersten zwei Tagen auf ein Minimum zu reduzieren ist. Das Aufnehmen des ersten Futters ist oft problematisch, weil Säger nur auf sich bewegende Nahrung reagieren;
durch lebende Mehlwürmer oder Stopfungen läßt sich dieses überwinden. Als Aufzuchtfutter eignen sich kleine Pellets (Spezialfutter wird angeboten), Mehlwürmer und als Zusätze Schabefleisch oder Rinderherz. Speziell Küken sind während der Aufzuch sehr aspergilloseanfällig und sind peinlich sauber, notfalls auf Drahtrosten, zu halten.
Befiederung: ab 16. Tag schieben die Schwanzfedern, ab 20. bis 23. Tag die Schulter - und Flankenfedern. Die Schwingen enfalten sich etwa ab 30.Tag, beginnend am Ellenbogen; 7 Wochen alte Jungtiere sind voll befiedert, 7,5 Wochen alte haben Flügellängen zwischen 187 und 195 mm und dürften flugfähig sein. Die anfangs hellblaue Iris der Küken färbt sich während der Befiederung gelblich - hornbraun. Im Frühjahr des ersten Lebensjahres wird ein Teilprachtkleid und ab Herbst das Alterskleid durchgemausert. Der weiße Halsring wurde von mehreren Erpeln nur im Winter getragen und im März durch Ruhekleidfedern ersetzt.