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 Kolbenenten
KOLBENENTE.A1

  Junges Kolbenentenpaar, acht Monate
            alt, rechts das Weibchen
                            
Foto:Roy    

Unter einen gewissen Vorbehalt kann man sagen,daß die Kolbenente die Farblich schönste Tauchente der Aythyini-Gruppe ist. Dabei ist der Vorbehalt bei “Tauchente”zu suchen. Innerhalb der sehr homogenen Aythyini - Gruppe bildet die Kolbenente (Netta rufina) mit zwei weiteren Arten (Peposakaente und Rotaugenente) die Gattung der Netta`s. Tatsächlich stellen die Netta`s eine gewisse Verbindung 

zwischen Gründel - und Tauchenten her. So ist insbesondere die Kolbenente in ihrem Verhalten, ihrem Äußeren und ihrer Ernährung eine Mischung aus Gründelente und Tauchente. Die Affinität mit diesen beiden Gruppen wird auch durch den starken Hang zur Bastardierung sowohl mit den Arten der Anas als auch mit den Aythias bewiesen, besonders in der Haltung. Im Verhalten fällt als erstes auf, daß die Kolbenente weniger schwerfällig und tollpatschig an land ist als es die Tauchenten sind. Obwohl sie etwas plump und schwer wirkt, läuft sie weitaus geschickter. Zur Nahrungssuche sucht sie die flachen bis mittleren Zonen der Gewässer auf. Sie sucht ihr Futter schnatternd, mittels Kopfeintauchen oder vorn überkippend, etwa so, wie es die Schwäne und natürlich die Gründelenten tun. Nur wenn sie auf diese Weise nicht an die Nahrung kommt, wird getaucht. Auch in der Nahrungsauswahl hat sie viel von den Gründelenten, die hauptsächlich pflanzlich ist. Der Kolbenentenerpel ist unverkennbar durch das schöne leuchtende rostrote Kopfgefieder, das bei der kleinsten Erregung durch Aufrichten des Scheitel - und Hinterkopfgefieders sehr vergrößert werden kann. Es verleiht dem Tier aus seitlicher Sicht einen kugelrunden Kopf. Der Schnabel ist rosarot und die Augen dunkelrostrot bis knallrot. Während der Sommermauser verliert der Erpel wie alle nordischen Enten das Prachtgefieder und es ähnelt dem des Weibchens, aber der adulte Erpel ist immer erkenntlich am roten Schnabel. Den Flügeln fehlt der metallischglänzende Spiegel der Gründelenten. Die Beine sind jedoch weniger weit hinten angesetzt, was den Gang der typischen Tauchenten an Land so unbeholfen macht. Das Vorkommen der Kolbenenten in der Natur ist nicht sehr zusammenhängend. Ihr Hauptvorkommen erstreckt sich um das Schwarze Meer, von dort aus nordöstlich bis zum Kaspischen Meerund reicht weiter nach Osten bis zu den großen Steppen. Weitere zusammenhangslose Gebiete, in jedoch geringerer Anzahl, befinden sich in fast allen europäischen Mittelmeerländern. Die wohl am nördlichst gelegenen Brutplätze, aber in spärlichen Vorkommen, befinden sich in Norddeutschland und in den Niederlanden, als auch im Alpenvorland. Die nördlich brütenden Populationen sind Zugvögel, die südlichen sind Standvögel oder Teilzieher. Die europäischen Enten bleiben jedoch in Europa, nur die Populationen im östlichen Verbreitungsgebiet ziehen im Winter bis nach Indien. Außerhalb der Brutzeit sind Kolbenenten oft sehr gesellig, dann kommt es in manchen Gebieten zu größeren Konzentrationen. Die Art ist im Bestand nicht bedroht.
                                     Kolbenenten in der Haltung
Kolbenenten sind in der Haltung beliebte, rustikale und im Prinzip anspruchslose Pfleglinge. Fast jeder Wildentenliebhaber verspürt früher oder später Lust, sie einmal zu besitzen, schon alleine wegen ihres auffälligen Kopfes. Gerne und oft wird sie auch auf Parkteichen gehalten, wo sie sehr dekorativ wirkt. Allerdings kommt sie nur auf etwas größeren Teichen vorteilhaft zur Geltung und auch dort fühlt sie sich wohl am besten in ihrem Element. Obwohl sie in kleineren Becken durchaus auch gesund bleiben kann, ist es wohl ehr eine Frage der Harmonie im Zusammenleben mit kleineren Arten, die eine Vergesellschaftung weniger vorteilhaft macht. Die Kolbenente gehört bestimmt nicht zu den aggressiven Arten, aber durch ihre Größe, ihre Lebhaftigkeit, ihre Art der Nahrungssuche, in dem sie viel im Beckengrund herumwühlt hat sie nicht ihren Platz in zu kleinen Anlagen, da sie auch für den Pflanzenbewuchs zerstörerisch wirken würde. Wenn sich Kolbenenten wohlfühlen sollen, so ist es das günstigste, sie auf natürlichen nicht überbesetzten Teichen zu halten, wo es Unterwasserpflanzenbewuchs gibt. Auch dort, wo es im Sommer zu warmen Zeiten zur Algenblüte kommt, sind Kolbenenten in ihrem Element. Ein befreundeter Züchter hatte, um seine Weißkopfruderenten artgerecht zu halten, ein großes Becken vollkommen mit der Wasserpest durchwachsen lassen, daß es mit der Zeit unbrauchbar für die Entenhaltung wurde. Auf mein Anraten setzte er ein Paar Kolbenenten ein, die dann auch brüteten und ihre Jungen aufzogen. Zwei Jahre später war von dem Paar und dem Nachwuchs die Wasserpest vollkommen abgeweidet worden.
                       Meine Erfahrungen mit der Kolbenente
Obwohl ich die Kolbenente sehr schön finde, hatte ich eigentlich nie vor sie auf meinem Teich zu halten, da ich sie etwas zu groß fand und eine Vorliebe für die kleineren Entenarten habe. (während meherer Jahre hatte ich außerdem Gelegenheit sie durch den Zaun beim Nachbarn zu beobachten). Ein befreundeter Züchter entschied aber anders. Vor einigen Jahren bat er mich sene Kolbenentenküken aufzuziehen. Aus Zeitmangel praktizierte er nur die natürliche Aufzucht. In jener Saison waren ihm die gesamten  erstgeschlüpften Küken aus unerklärlichen Gründen innerhalb der ersten Woche eingegangen. Er hatte auch in Erfahrung gebracht, daß bei anderen Züchtern in jener Saison sogar alle künstlich aufgezogenen Kolbenentenkükengruppen gestorben waren. Die Kolbenente hatte kurz darauf ein zweites Gelege getätigt und bebrütet. Diese zweite Brut von neun frischgeschlüpften, 24 Stunden alten Küken wurde mir Anfang Juni gebracht. Da ich aus den beschriebenen Problemen nur irgendeine Infektion (wahrscheinlich Darm) vermuten konnte, behandelte ich die Kleinen sofort vorbeugend mit einem Antibiotikum auf der Basis von Erythromycine und Ampicilline, was über das Trinkwasser gereicht wurde. Zum Antbiotikum muß möglichst gleichzeitig ein Vitaminkomplex hinzugefügt werden. Ob die Behandlung wirklich nötig war, weiß ich nicht. Bei guten hygienischen Aufzuchtskonditionen (künstlich oder natürlich) sind solche Behandlungen bei Entenküken generell nicht nötig. Ich kannte allerdings nicht die Aufzuchtzustände, weder bei meinem Bekannten noch bei den anderen Züchtern. Nicht alle Halter und Züchter haben die gleiche Auffassung von dem was hygenisch oder unhygenisch ist.Jedenfalls notierte ich bei den Kolbenentenküken nicht die geringsten Probleme und setzte darum die medikamentöse Behandlund nach drei Tagen ab. Die Nahrungs - und Trinkwasseraufnahme erfolgte sofort, auch waren sie sehr lebhaft. Anfangs wunderte ich mich über das verhältnismäßig laute Gepiepse, was aber bei genauer Beobachtung eher zur Kommunikation untereinander diente, als das es Angst oder Unbehagen ausdrückte. Schon vier Tage später erwies es sich als vorteilhafter, sie in eine große Aufzuchtbox umzusetzen, denn sie nahmen recht schnell an Gewicht zu. Das Gewicht der frischgeschlüpften Kolbenentenküken beträgt durchschnittlich 30 g, zehn Tage später beträgt es schon fast 100 g. Erstaunlich war für mich, daß trotz der guten Gewichtszunahme und des schnellen Wuchses, die Befiederung länger dauert als man es allgemein bei den Gründelenten gewöhnt ist. Die ersten Befiederungsanzeichen an Schulter und Flanken bedeuten, daß man zu diesem Moment zu beringen hat. Bei Kolbenentenküken muß man aber bei der Künstlichen Aufzucht spätestens bis zum 24. Tage mit 12 mm Ringen beringen.     

Erst einige Tage später beginnen die ersten Federn zu sprießen. Um diese Zeit ähneln sie im Verhalten den erwachsenden Kolbenenten. Schon im Kükenalter haben sie trotz ihrer Bewegungsfreudigkeit einen schweren und behebigen Gang und machen einen dick- und vollgefressenen Eindruck, was sich mit zunehmenden Alter noch verstärkt. So hatten sie z. B. immer die Angewohnheit, zwar viel herumzulaufen, aber sobald sie stehen blieben sich auf den Bauch niederzulassen, als wenn die Beine nur schwer das Körpergewicht aufrechtzuerhalten vermochten. Obwohl 

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     Junges Kolbenentenpaar, zwei
    Monate alt, vollständig befiedert.
     Beim Erpel, vorne, wird der rosa
                Schnabel sichtbar.
                        
Foto:Roy        

die Küken bei mir nur spezielle Wildentenpellets zu fressen bekommen, ist es durchaus möglich, daß auch das für diese Entenkükenart noch zu inhaltsreich, hauptsächlich an Stärke, war. Denn in der Natur besteht ihre Hauptdiät sicher anfangs nur aus Insekten und dann vor allem aus allem möglichen Pflanzlichen. Im Alter von einem Monat wurden die Jungenten an ihren Besitzer zurückgegeben. Mein Bekannter wollte mir ein Paar schenken, was ich jedoch dankend ablehnte. Ich behielt jedoch ein Paar, um es noch eine Weile etwas genauer zu beobachten. Das junge, noch unvollständig befiederte Paar wurde in den Gemeinschaftsteich gesetzt. Da zeigten sie schon ihre deutliche Vorliebe für alles, was pflanzlich war. Wenn Teichlinsen und Unterwasserpflanzen ins Becken gegeben wurden, waren sie die ersten, die sich einstellten. Mit zunehmendem Alter zeigten sie auch die Neigung, gerne Pflanzen gemeinsam, Schnabel an Schnabel, zu verzehren. Manchmal sah es wie ein Spiel zwischen den beiden Partnern aus, wenn sie den gleichen Pflanzenstengel, ohne wirklich Hunger zu haben, dicht bei dicht bekauten, oder einer die bekaute Pflanze fallen ließ und der andere gerade diese aufnahm, um sie weiter zu bearbeiten, obwohl viele andere um sie herumschwammen. Da meine Becken nicht tief und klar genug sind, um echten Unterwasserpflanzenbewuchs wachsen zu lassen, konnte ich bei dem Paar nicht beobachten, wie es heißt,daß der Erpel mit Pflanzen auftaucht um sie seiner Ente darzubieten. Mit etwa zwei Monaten sind die Jungen völlig befiedert. Um diese Zeit kann man auch die ersten geschlechtlichen Unterschiede ohne Sexieren bemerken. Der Schnabel des Erpels bekommt dann einen leichten Anflug von Rosa, aber noch sehr schwärzlich gefleckt und die Augen beginnen sich aufzuhellen, um dann allmählich ins rötliche überzugehen. Auch die typische Stimme des Erpels, ein helles heiseres Pfeifen, kann man dann schon vernehmen. Es dauert mehr als 6 Monate bis der junge Erpel sein Prachtgefieder vollständig und perfekt durchgefärbt hat und dann dauert es noch zwei bis drei Monate, bis zur Brutzeit, daß der Schnabel sein endgültige rote Farbe erreicht. Adulte Erpel (ab dem zweiten Jahr) haben ihr Brutgefieder Ende November bis Anfang Dezember ausgefärbt. Schon Anfang Februar zeigten die im Juni geborenen

Enten eine erste Brutaktivität in dem sie sich paarten und ständig gemeinsam im Seggendickicht herumsuchten und die vertrockneten Stengel bearbeiteten.Mit Herannahen der Brutperiode mußte ich mich von ihnen trennen, da ich eine bestimmte Anzahl von Brutpaaren nicht überschreiten möchte. Kolbenenten sind wie die meisten Gründelenten schon nach einem Jahr geschlechtsreif

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Junger Kolbenentenerpel, acht Monate alt                   

                               Foto:Roy

und schreiten auch in der Haltung, dort wo ihnen alles zusagt, im ersten Jahr zur Brut. Sie sin von Natur aus Bodenbrüter, was ich auch beim Nachbarn bestättigt fand. Mehrere Jahre hindurch hatte das Weibchen fast an der gleichen Stelle, nämlich unter einem niedrigen Gebüsch im hohen ungemähten Gras, eng an einem Zaun zu meinem Grundstück, ihr Nest gebaut. Die Gelege enthielten sieben bis zehn beigefarbene Eier mit einem leichten Anflug von graugrün und werden in 28 Tagen erbrütet. Bei manchen Züchtern mit spärlichen Pflanzenbewuchs wählen Kolbenenten auch Kästen, die allerdings nicht den Charakter einer echten Bruthöhle haben, sondern geräumiger sind. Die natürliche Entenaufzucht durch die Mutter ist allgemein keine Schwierigkeit.           

                                                        H. Roy