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 Kastanienenten
KASTANIENENTE.ERPEL

     Kastanienentenerpel in seiner attraktiven Gefiederfärbung

Zu den schönsten Gründelenten (Anas) überhaupt gehören zweifelos die Kastanienenten (Anas castanea). Die mittelgroßen und im Habitus etwas länglichen Tiere bewohnen im südlichen und südöstlichen Australien vorzugsweise Feuchtgebiete in offener Landschaft. Hauptsächlich werden flache Brackwasserbereiche von Mangroven, ruhigen Buchten, Flußmündungen usw. besiedelt. Ebenso findet man diese herrlichen Vögel in küstennahen Sumpfgebieten. Weit seltener nutzen sie geeignete Süßwasserbiotope des Binnenlandes. Die größte Populationsdichte ereichen die Tiere auf Tasmanien und in der Bass- Straße. In der Regel befinden sich die Kastanienenten in Gesellschaft der wesentlich häufiger vorkommenden und weiter verbreiterten Australischen Weißkehlente (Anas gibberifrons gracilis). Zu dieser vierten Unterart und zur Aucklandente (Anas aucklandica), dritte Unterart, besteht eine engere Verwandtschaft. Während von der Aucklandente sämtliche Formen als stark gefährdet eingestuft wurden und von der Weißkehlente die Unterart (A. g. remissa) bereits ausgestorben ist, gilt die Weltpopulation der Kastanienente als derzeit gesichert.
                                                      Freileben

Allerdings werden naturinteressierte Australienreisende nicht immer Kastanienenten im bekannten Verbreitungsgebiet beobachten können, da sie stellenweise ganz fehlen oder nur selten anzutreffen sind. in manchen Brutgebieten erreichten Artenschützer durch das Anbringen künstlicher Nistkästen eine merkliche Zunahme des Bestandes. Genaue Bestandserhebungen aller Kastanienenten bzw. größerer Teilpopulationen wurden bisher nicht erstellt. Insgesamt geht man davon aus, daß die Art noch vor wenigen Jahrzehnten wesentlich häufiger auftrat. Die Brutzeit erstreckt sich zumeist von  August bis November, in der nicht selten zwei bis drei Bruten aufgezogen werden. Bevorzugte Nistplätze liegen in vegetationsreichen Uferzonen, seltener sind dies auch Felsspalten, Baumhöhlen oder Nistkästen. Die Tatsache, daß sich die Erpel sehr oft an der Jungenführung beteilige, ist bei den Gründelenten recht selten zu beobachten. Kastanienenten sind in ihrer Heimat zumeist Standvögel und folgen nur vereinzelt den unregelmäßig umherziehenden Australischen Weißkehlenten. Zum Nahrungsspektrum sei nur vermerkt, daß sowohl animalische als auch vegetarische Anteile gleichermaßen eine Rolle spielen. Im Brackwasserbereich überwiegen jedoch Kleinlebewesen unterschiedlichster Art.
                                                
Artkennzeichen

Wie bei den meisten Gründelenten zeigt auch bei der Kastanienente der Erpel ein farblich attraktives Federkleid. Auffallend sind vor allem der schwarze, grünlich glänzende Hals - Kopfbereich. Sehr interessant wirken des weiteren die kastanienbraune Brust, Unterseite und die ebenso sichtbaren Flanken. Diese Körperpartien weisen zudem eine mehr oder minder ausgeprägte dunkelbraune Fleckung auf, die auf den Flanken besonders deutlich zur Geltung kommt. Weitere bemerkswerte Kennzeichen liegen in den weißen Seiten der Afterregion und den größtenteilsrotbraun gesäumten Federn der Rumpfoberseite. Besonders im Flugbild werden die schwarzen Armschwingen, einschließlich der in geringer Ausdehnung vorhandenen grünen Spiegel und die weißen Enden, gut sichtbar. Eher unscheinbar wirken dagegen die einfarbig schwarzbraunen Handschwingen. Zu den unbefiederten Partien möchte ich hier lediglich die rote Iris und den blaugrauen Schnabel erwähnen. Die weiblichen Kastanienenten präsentieren sich dagegen weniger spektakulär. Bei ihnen überwiegen für den Betrachter dunkelbraune Farbtöne, wobei viele Deckfedern auf dem Rumpf, an den Flanken und der Brust blaß gelbbraun gesäumt erscheinen. Im Vergleich zu den helleren Partien von Kehle und Vorderhals nehmen dunklere Federn über die Wangen zum Oberkopf und zum Hinterhals deutlich zu. Weiter Kennzeichen, wie unbefiederte Körperbereiche oder die Farbverteilung der Flügel unterscheiden sich nicht wesentlich von denen der Erpel.

                                 
Haltung in Menschenobhut

Nun stellt sich die Frage, unter welchen besonderen Voraussetzungen Kastanienenten in menschlicher Obhut gehalten werden müssen. Nicht jeder Liebhaber würde vermuten, daß diese Wasservögel kaum besondere Ansprüche an die vom Menschen zumeist künstlich geschaffenen Lebensräume stellen. Selbst die in fast allen Fällen erwünschte Nachzucht ist für gewöhnlich kein Problem. Es soll aber nicht so verstanden werden, daß die besonderen Haltungsgrundsätze, die für Entenvögel uneingeschränkt gelten, die Kastanienenten weniger betreffen. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, daß es vorbildliche Zuchtanlagen gibt, in denen die hier vorgestellte Art sicherlich beste Lebensbedingungen vorfindet. Andere “Sammelgehege” haben mich hingegen weniger überzeugt - ich glaube, jeder fachlich kompetente Zuchtfreund weiß genau, was ich damit meine. Allein die Lebensdauer, Gefiederzustand, konditionelle Verfassung, Zuchtergebnisse usw. sagen bereits entscheidendes darüber aus, wie gut oder schlecht Wasservögel gehalten werden. Nun gehören unhaltbare Bedingungen zweifellos zu den Ausnahmen, und ich möchte hier nichts verallgemeinern. Die vielen guten Haltungs- und Zuchterfolge der ehr rastlosen und engagierten Zuchtfreunde  sprechen dem gegenüber eine eigene Sprache.

                                    
Artgerechte Unterbringung

Für Kastanienenten kommen sowohl die Volierenhaltung, als auch die Unterbringung auf gemischt besetzten Freianlagen in Frage. Die Tiere lassen sich mit anderen Wasservögeln problemlos vergesellschaften. Als Zuchtbasis empfehle ich zwei bis drei, weitgehend blutsfremde Paare, die zusammen eine entsprechend geeignete Anlage beziehen. Seichte Überschwemmungszonen im Uferbereich ermöglichen den Kastanienenten einen ungehinderten Ausstieg aus dem Wasser. Zudem stellen solche natürlichen Gegebenheiten eine enorme Bereicherung der Lebensqualität dar, da für die Kastanienenten nicht nur der Futtertrog interessant ist, sondern zusätzlich Pflanzenteile und Kleinlebewesen das Nahrungsspektrum erweitern und die Aktivitätsphasen der Tiere durchaus verlängern können. In Volieren lassen sich solche aufwendigen Gestaltungselemente wesentlich schwieriger realisieren, selbst eine gut abgestimmte und abwechslungsreiche Fütterung ersetzt nicht die Vorteile großer und weitgehend natürlich gestalteter Teichanlagen!
Allerdings bieten Volieren eine bessere Übersicht, größere Sicherheit vor natürlichen Feinden; es erübrigen sich meist aufwendige Fangaktionen im Spätherbst (Kastanienenten sind völlig winterhart), und es bestehen hervorragende Möglichkeiten, den erhofften Nachwuchs von den eigenen Elterntieren aufziehen zu lassen (Naturbrut). Neben einer guten Wasserqualität verbessern saubere Futterstelle, regelmäßige Tierbeurteilungen (zur Früherkennung von sichtbaren Krankheiten) oder sinnvolle Vergesellschaftung mit Augenmaß (Überbesetzung vermeiden) die allgemeinen Lebensumstände in Menschenhand sehr deutlich. Ernstzunehmende Gefahren für den Wasservogelbestand entstehen beispielsweise durch natürliche Feinde wie Füchse, Marderartige, Ratten, Habichte oder Krähenvögel, die so wirkungsvoll wie möglich eingeschränkt werden müssen. Zur Fütterung von Kastanienenten sei lediglich erwähnt, daß sie im wesentlichen nicht schwieriger zu realisieren ist, als es bei anderen verwandten Arten der Fall wäre. Nur sehr wenige Vertreter der überaus erfolgreichen Gattungsgruppe der Gründelenten (Anas) könnten überhaupt als Nahrungsspezialisten angesehen werden, der größte Teil jedoch hat sich auf eine sehr vielseitige Nahrungspalette eingestellt. Letzteres trifft für die Kastanienenten zu, so daß sich eine ganze Reihe von Möglichkeiten ergeben, diese Tiere optimal zu versorgen. 

KASTANIENENTE.BRUTH

       Geeignete Nisthöhle für        Kastanienenten mit Krähenschutz

           Zucht und Aufzucht

Nachzuchttiere der Kastanienenten erlangen ihre geschlechtliche Reife bereits in der nachfolgenden Brutsaison. Aller-  dings ist erst bei etwa zweijährigen Alt -
vögeln das arttypische Reproduktions - verhalten entsprechend entwickelt, um letztlich zur Erhaltung der Art für Nach - kommen zu sorgen. Die Paarbildungen erfolgen auch in Menschenhand während der herbstlichen Balzzeit, manche Paare bleiben lange Jahre ununterbrochen zu - sammen, andere nur für ein Saison. In menschlicher Obhut brüten Kastanien -

enten bevorzugt in Höhlen verschiedenster Art. Nur selten werden auf exzellent gestalteten Anlagen auch Nistplätze im Freien angenommen. Vollgelege enthalten durchschnittlich sieben bis zehn kräftig cremefarbene Eier. Die küken erblicken nach einer Brutdauer von etwa 28 Tagen das Licht der Welt. Ohne jegliche Unterstützung des Erpels erbrütet die weibliche Kastanienente den Nachwuchs, ersterer ist lediglich für die Bewachung des Umfeldes verantwortlich. Hin und wieder beteiligen sich die männlichen Tiere an der Jungenaufzucht, falls die Eier nicht im Brutapparat oder unter einer Glucke ausgebrütet werden. Die insgesamt sehr dunkel gezeichneten Küken besitzen als auffällige Merkmale zwei schwarzbraune Streifen im Gesichtsfeld und gelbe Fleckchen an den Bürzelseiten und den hinteren Flügelsäumen (Kolbe 1984). Erfahrungsgemäß lassen sich die Küken der meisten Gründelenten problemlos aufziehen, nichts anderes gilt für die Kastanienenten.

                                         Arterhaltung durch Zucht

Wenngleich die Art auf den auf den Wasservogelanlagen Europas gut vertreten ist,sollten die Nachzuchtbemühungen und damit die Erhaltung dieser herrlichen Tiere einer gewissen Koordinierung unterliegen. Denn so manche interessante Art bzw. Unterart, wie beispielsweise die Argentinische Ruderente (Oxyura vitata) oder die Rotaugenente (Netta erythrophtalma) ist heute auf den Angebotslisten europaweit nur noch selten vertreten. Die Gründe dafür haben oft sehr vielfältige Ursachen, sei es mangels Interesse, fortgeschrittene Inzucht oder auch generelle Probleme bei der Aufzucht der Küken. Es bleibt zu hoffen, daß sich in Zukunft weiterhin genügend engagierte Zuchtfreunde für die Kastanienente begeistern können, damit dieser Vertreter der äußerst interessanten Vogelwelt Australiens nicht nicht auch eines Tages zu denabsoluten Raritäten gehören muß.

                                                    
Torsten Hötzel