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 Kaisergänse

Noch vor zwanzig Jahren waren die Kaisergänse sehr selten bei Züchtern anzutreffen. Seit jeher gehören sie -aus heute nicht mehr zu klärenden Gründen- zu den nur vereinzelt eingeführten Arten. Ihre Ansprüche unterscheiden sich kaum von anderen Feldgänsen. Den Züchter erfreuen sie nicht nur wegen ihres aparten Federkleides, sondern auch wegen ihrer Neugierde und Zutraulichkeit. Die ersten Kaisergänse sollen 1908 in den Zoo von London gelangt sein. Die europäische Erstzucht gelang 1915 dem Züchter BLAAUW in Holland. Von 1932 bis 1940 wurden in Cleres, Frankreich, dem Wirkungsort von JEAN DELACOUR, der noch heute als größter Kenner der Hühner-und Entenvögel gilt, die Kaisergänse regelmäßig gezüchtet. Im Berliner Zoo legte ein Paar erstmals 1938 drei unbefruchtete Eier. Mitte der fünfziger Jahre kamen neue Importe in verschiedene Zoos und Tierparks. In der damaligen DDR soll KIRSCH 1965 als erster Züchter ein Paar erworben haben.

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         Kaisergänse mit Küken
                   
Foto: Roy

     Gänse aus dem Norden
Die Kaisergans ist Brutvogel beiderseits der Beringstrasse und auf der St.-Lorenz- Insel. Auch in Sibirien kommt sie vor. Alaska ist ebenfalls ein Verbreitungsgebiet. Sie überwintern entlang der Pazifikküste, insbesondere auf den Aleuten und anderen Inseln.Ihre Brutgebiete beschränken sich auf die Küstenlinien des Festlandes und die vorgelagerten Inseln im Bering- und Eismeer.

                Haltung und Zucht in menschlicher Obhut
Obwohl die Kaisergänse stärker als andere Arten ihrer Gattung auf das Leben am Meer eingestellt sind, ist ihre Haltung nicht deutlich schwieriger, als die der anderen Arten. Die Zucht allerdings kann auch noch heute als nicht einfach bezeichnet werden.Meines Erachtens dürfte in erster Linie die Fütterung dafür verantwortlich sein.In ihrem ursprünglichen Lebensraum leben die Kaisergänse vorwiegend von Kleinlebewesen aus dem Meer. Nur ein kleiner Teil der Nahrung besteht aus Gräsern und Beeren. Diese Gewohnheiten gilt es bei der Haltung zu berücksichtigen. Das Futter soll also reich an tierischem Eiweiß sein. Geeignet sind Garnelen, Stücke von Fischen und Fleischabfälle, Katzen-oder Hundefutter habe ich nie verfüttert, weil es mir zu salzhaltig erscheint.
                              
Ein Ganter als Zuchtgrundlage
Die Kaisergänse,die mit ihre aparten Erscheinung, hattenes uns schon lange angetan. Durch Zufall wurde uns bei einem Besuch ein verwaister, älterer, zutraulicher Ganter angeboten. Wir brauchten nicht lange überlegen und der Ganter gehörte uns. Dann begann die langwierige Suche nach einer Gans. Vor 28 Jahren war das noch kein einfache Sache. Nach längerem Suchen wurde uns von einer Liebhaberin eine überzählige Gans aus Holland angeboten. Der Ganter führte diese Gans sehr fürsorglich in sein Revier ein. Doch als wir nach fünf Jahren noch nie eine Paarung beobachten konnten und auch kein Ei sahen, begannen wir zu zweifeln, ob die beiden zusammenpassen oder nur diesen Eindruck erweckten. Da wir von Zwangsverpaarung nicht viel halten, kauften wir ein junges Paar hinzu. Im Gegensatz zu den Alttieren zeigte dieses keine Spur von Zutraulichkeit. Die alte Gans wurde nun die Begleiterin des jungen Ganters und umgekehrt. Bei uns kam wieder Hoffnung auf. Nach etwa einem Jahr mußte der Ganter von seinen Altersbeschwerden erlöst werden. Der Jüngere hatte nun zwei Gänse zu betreuen, dabei wurde die Jüngere bevorzugt und die Ältere schloß sich vermehrt den Laufenten an.

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         Kaisergans mit Laufenten
                   
Foto:Oertle

        Ein erster Lichtblick
Die Gans baute sich in einem zwei Quadratmeter großen Kükenauslauf ein Nest aus Stroh und feinen Zweigen. Ihre Wahl des Brutplatzes gefiel uns, denn während der Brut konnte Nachts einfach die Tür geschlossen werden, um die Gans und das Gelege zu schützen.In Abständen von zwei Tagen legte si ihre Eier ins Nest. Diese deckte sie bei jeden Verlassen des

Nestes schön zu. Die kostbaren Eier ersetzten wir durch Eier von jungen Emdener Gänsen, um sie nach Abschluss des Geleges wieder auswechseln zu können. Die Eier waren nahezu weiß, 9 Zentimeter lang und hatten einen Umfang von etwa 17 Zentimetern. Nach fünf Eiern war das Gelege abgeschlossen. Vergeblich warteten wir, daß die Gans zur Brut schreiten würde. Nach einigen Tagen legten wir die Eier in den Brutkasten. Zwei Eier waren befruchtet, doch trotz größter Sorgfalt, überlebte kein Gössel den Schlupf.
                                               Ein Jahr später
In der zweiten Hälfte Mai waren wir sehr erfreut, als die Kaisergans am gleichen Ort wieder ein Nest baute. Das hieß doch das der Fehlschlag nicht am Nistplatz liegen konnte. Wieder wechselten wir vorsichtshalber die Eier aus. Die Gans legte wieder im Abstand von zwei Tagen, diesmal acht Eier mit etwa den gleichen Maßen.Wieder legten wir die Eier in den Brutkasten, um sie dann der Gans, wenn sie Brutlust zeigen sollte, wieder anzuvertrauen.Dabei spielte auch der Gedanke mit, daß wir der Gans, um sie dann nicht mehr stören zu müssen, nur die befruchteten Eier zurückgeben wollten. Unsere Freude war riesig, als sieben Eier befruchtet waren. Nach längerer Zeit machte die Gans immer noch keine Anstalten, die Ersatzeier zu bebrüten. So wurde das Ersatzgelege nach zwei Wochen entfernt. Wir waren sehr überrascht, als wenige Tage danach wieder ein Gänseei im Nest lag. Diesem Ei folgten noch drei weitere. Doch wieder zeigte die Gans keine Brutlust, sie hat das Nest auch nicht, wie in der Freiheit üblich, mit Daunen ausgepolstert. Zwei Eier legte ich in den Brutkasten,die beiden anderen übergaben wir einer bewährten Malaienglucke. In der Zwischenzeit waren die beiden ersten Eier auf halbem Wege abgestorben. Unsere Enttäuschung war groß, doch konnten wir wieder neu hoffen, denn die letzten vier Eier waren alle befruchtet. Die beiden Eier im Brüter starben wieder nach etwa der Hälfte der Brutzeit ab. Die Eier unter der Glucke waren angepickt, doch vermochte nur ein Gössel die Schale zu sprengen und zu schlüpfen (ich bin grundsätzlich dagegen, beim Schlupf, egal welcher Art, Hebammendienste zu leisten). Der kleine Ganter entwickelte sich kräftig und wurde von der Henne noch geführt, als er sie an Größe weit übertraf. Der Jungganter machte uns sehr viel Freude, er wurde zutraulich und aufmerksam. Leider konnten wir keine weteren Bruterfahrungen mehr sammeln, denn die Gans hat seither kein Ei mehr gelegt.

          Spärlicher Erfolg
Über Die möglichen Gründe haben wir uns zwischenzeitlich immer wieder Gedanken gemacht.Wir waren überzeugt, alles Menschenmögliche getan zu haben. Heute bin ich überzeugt, daß mit einem Flächenbrüter die Resultate ganz anders ausgesehen hätten, da in ihm, im Gegensatz zum Motorbrüter, nicht das ganze Ei gleichmäßig durchwärmt wird. Weil die Luft im Brüter nicht zwangsweise  umgewälzt wird, entsteht im Ei ein

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       Ruhende Kaisergansküken
                         
Foto:Roy

Temperaturgefälle. Wenn ich nun an die Naturbrut der Kaisergänse im Norden denke, so ist anzunehmen, daß das Temperaturgefälle in den Eiern deutlich größer ist als im Flächen im Flächenbrüter. Bei der Ammenbrut aus dem Nachgelege, sind immerhin 50 Prozent geschlüpft, was auf Mängel bei der Kunstbrut hinweist.Weniger wahrscheinlich, aber auch vorstellbar wäre, daß wir der Gans noch mehr Zeit hätten einräumen müssen. Es ist aber auch anzunehmen, daß bei Brutabsicht, das Nest mit Daunen ausgepolstert worden wäre. Am stärksten hat mich getroffen, daß es keine Gelegenheit gab, die gemachten Erfahrungen zu nutzen.

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Die jüngere Kaisergans (links) verstarb letztes Jahr 20jährig.Die Ältere lebte 25 Jahre-wen wunderts, daß ihre Beine an Schönheit einbüßten
                   
Foto:Oertle

              Das Gnadenbrot
Kurz nachdem wir den Jungganter weggegeben hatten, lag sein Vater eines morgens tot im Stall. Da die beiden Gänse gut harmonierten, jedoch seit längerem nicht mehr legten, beschlossen wir, auf einen Neuzukauf zu verzichten, um die Ruhe der beiden nicht zu stören. Sie brachten uns dann auch ohne Nachwuchs  viel Freude. Die “Gespräche”mit ihnen waren erholsam. Die Ältere von ihnen lebte 25 Jahre bei uns, die Jüngere verstarb vor einem Jahr 20jährig.
Außerhalb der Brutzeit teilten sie tagsüber die Weide mit den Laufenten.

Im Frühjahr wurde jeweils eine Trennung nötig. Das geschah nichtetwa, weil die Gänse angriffslustig waren, vielmehr schikanierte der Erpel die Gänse.Wir hatten Angst, die Gänse könnten eines Tages zurückschlagen.

     Frisches, sauberes Wasser
Den Kaisergänsen und Laufenten standen während der Trennung, separate Teiche zur Verfügung. Während die Enten gerne Dreck ins Wasser tragen, freuten sich die Gänse sehr über frisches, klares Badewasser. Zweimal pro Woche wurden die Weiher gereinigt und frisch gefüllt. Die Gänse konnten es jeweils kaum erwarten und sprangen schon in den erst halbgefüllten Teich und drehten Flügelschlagend ihre Runden. Das saubere

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    Kaisergans im nassen Element
                       
Foto:Roy

Wasser dürfte eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Zucht der Kaisergänse sein.
                                            
                                                     Ferdi Oertle
                                                                          Schweiz