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Vor genau 40 Jahren wurde Australiens Öffentlichkeit durch eine groß angelegte Jagd auf die bis dahin geschützte Hühner - gans alamiert. Während nur zweier Tage hatten nämlich Jäger auf den Furneaux - Inseln in der Bass - Straße zwischen dem australischen Kontinent und der großen Insel Tasmanien nicht weniger als 116 Stück dieser seltenen Tierart erlegt, deren gegenwärtiger Bestand weit geringer ist als etwa der des bedrohten Raben - Kakadus oder des Schnabeltieres. Das Gemetzel löste einen Hagel von Protestbriefen an die Presse aus, und Australiens Naturschützer wurden bei der Regierung vorstellig. Es stellte sich heraus, daß die kurze Jagderlaubnis von der Naturschutzbehörde |
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des Staates Tasmanien erst auf längeres Drängen von Schafzüchtern erteilt worden war. Diese behaupteten nämlich, daß die Gänse den Schafen zu viel Gras wegfressen würden und außerdem den Wollträgern obendrein noch den Appetit durch reichlich abgesetzten Kot vergällen würden. Das ist die eine Seite des Problems “Hühnergans”, und dieser Bericht wird zeigen, daß es leider die einzige ist. Doch zunächst sollte man sich mit dem Vogel selbst vertraut machen: Die bis zu 10 Pfund schwere Hühnergans ist vorwiegend hellgrau gefärbt und fällt vor allem durch den kleinen,mit dicker, fleischiger, gelb-grüner Wachshaut überzogenen und dadurch knollig wirkenden Schnabel auf. Die Schwimmhäute an den schwarzen Zehen der kräftigen hellrötlichen Beine sind weitgehend zurückgebildet. Schnabel und Füße deuten somit auf eine gänsevogelart hin, die sich weitgehend vom Wasser unabhängig gemacht hat und zum Grasweidetier geworden ist. Die gleichgefärbten Geschlechter lassen sich leicht an der unterschiedlichen Stimme erkennen. Während die Ganter laut trompetende Töne ausstoßen, geben die Gänse leise grunzende Laute von sich, die ihnen bei den örtlichen Siedlern den Namen “Schweinegans” eingetragen haben. Die übliche englische Bezeichnung für den Vogel lautet jedoch “Capa Barren Goose”, womit auf sein Vorkommenauf der Cape Barren - Insel angespielt wird. Hühnergänse brüten auf den Inseln der Bass - Straße und halten sich nur außerhalb der Brutzeit auf Grasländereien entlang der südaustralischen Festlandküste auf.
Die Verwandtschaft
Die systematische Stellung der Hühnergans innerhalb der Unterfamilie Anserinae der Entenvögel (Anatidae) ist garnicht so einfach zu fixieren. DELACOUR hat sie im Jahr 1954 zu den Halbgänsen (Tadormidae) gestellt, zu denen auch die euroasiatische Brandgans gehört. Für diese Verwandtschaft würde das Muster des Dunengefieders der Hühnergans - Küken sprechen. |
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Andererseits lassen jedoch die große Zahl von 19 Halswirbeln, die stark ausgebildete Wachshaut und die gleiche Färbung der Geschlechter die Einordnung bei den Halbgänsen nicht ratsam erscheinen. |
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Mit ihrer echt gänseartigen Luftröhre, der mit kleinen Schildchen bedeckten Haut des Laufes und ihrer allgemeinen Anatomie ähnelt die Hühnergans wieder mehr den echten Gänsen, wie VERHEYEN 1953 feststellte. Da sie aber bestimmt mit keiner der gegen - wärtigen Gänse oder Halbgänse nahe ver - wandt ist, mit ihnen auch niemals Mischlinge erzeugt hat, stellte WOOLFENDEN 1961 |
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Porträt der Hühnergans Foto: Rudloff |
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für sie eine eigene Unterfamilie auf. |
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Schutz der Gänse
In den ersten Jahren der Besiedlung Australiens durch die Weißen waren Hühnergänse noch recht häufig. Da sie noch keine Bekanntschaft mit dem Menschen gemacht hatten, leißen sie ihn vertrauensvoll herankommen, um für diese Arglosigkeit alsbald mit einem Knüppel erschlagen zu werden. Obwohl die intelligenten Vögel sehr bald merkten, was sie von den großen Zweibeinern zu erwarten hatten, waren sie auf die Dauer seinen weittragenden Schußwaffen nicht gewachsen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Hühnergänse pausenlos für den Kochtopf oder “nur so zum Spaß” geschossen; daraufhin schmolz der Artbestand gewaltig. Im Staate Victoria steht die Hühnergans schon seit langem unter ganzjährigen Schutz. Auf den zu Tasmanien gehörenden Inselgruppen genießt jedoch nur Teilschonung und darf “hin und wieder” bejagd werden, wenn die Naturschutzbehörde es für gerechtfertigt hält. So schrumpften die Bestände auf 943 Gänse im jahre 1960. Seit den frühsten Tagen der Besiedlung hatte man die Fumeaux - Inseln als Schafweiden genutzt. Zweifellos konkurriren die Gänse bis zu einem gewissen Grade mit den Schafen; aber die Behauptung, sie würden zusätzlich das Weideland verderben, ist reichlich übertrieben. Untersuchungen haben vielmehr ergeben, daß das Gras durch die Düngung mit dem stickstoffreichen Gänsekot sogar besser nachwächst. Aufgrund der Proteste der Vogelschützer wurde während der folgenden Jahre keine Jagderlaubnis mehr erteilt. Zusätzlich ergriff man Maßnahmen zur Unterbindung des Wilderns. Daraufhin nahn der Hühnergansbestand auch bald wieder zu; auf 1434 Vögel im Jahre 1961, 1919 im Jahre 1962, 1877 im Jahre 1963, 2642 im Jahre 1964, und gegenwärtig ist der Bestand auf etwa 8000 Stück angewachsen. Die alljährlich im März durchgeführten Luftinspektionen der Gänsescharen versuchen nicht, die Gesamtzahl der Tier auf den Inseln zu erfassen, sondern folgen einem Standardverfahren mit dem Ziel, jede größere Bestandsschwankung rechtzeitig festzustellen. Wegen der schwierigen Landemöglichkeiten auf den felsigen Inseln ist diese Methode die einzig brauchbare. Der Vorsitzende des “Animals and Bird Protection Board” des Staates Tasmanien glaubt, daß die auf diese Art gezählte Menge der tatsächlichen Zahl von Hühnergänsen auf den Inseln ziemlich genau entspricht. Der Schutz der Hühnergans wirft einige Probleme auf, weil die meisten der von ihnen bewohnten Inseln von Schafzüchtern gepachtet worden sind. Es ist jedoch vorgesehen, daß nach Auslaufen der oft langen Pachtverträge zwischen den Farmern und der Regierung eine Klausel in die neuen Verträge eingefügt wird, nach der neue Vereinbarungen nur bei gleichzeitigen Schutz der Hühnergänse getroffen werden können.
Hohe Verlustrate
Die Brutzeit der Gänse fällt in den australischen Winter, also in die Monate Juni bis August/September. Bereits im März verlassen die Vögel in langen Pfeilformationen das Festland, um zu ihren Brutplätzen auf die Inseln vor der australischen Südküste zu fliegen. Nur kranke und nicht verpaarte Vögel bleiben auf dem Kontinent zurück. |
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Hühnergänse in der typischen Ab - wehrhaltung mit vorgestrecktem Hals Foto: Roy |
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In den letzten Jahren wurden pro Brut - saison etwa 2000 Küken erbrütet. Zoo - logen haben festgestellt, daß der Abgang an Jungvögeln sehr hoch ist; daran tragen die Krähen die Hauptschuld. Bei einer durchschnittlichen Schlupfrate von vier Küken ereicht nur ein einziges das Er - wachsenenalter. Die Nester sind ziemlich große, flache Gebilde aus trockenem Gras und anderen pflanzlichen Materialien, deren Mulde weich mit Daunen ausge - |
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füttert ist. Die Gelege bestehen aus vier bis acht cremefarbenen Eiern mit glänzender Schale.
Vor der Ausrottung bewahren
Wird man die Hühnergans für alle Zukunft vor der Ausrottung bewahren können? Die australischen Ornithologen halten es für möglich, wenn der Bestand auf einer Höhe von 9 000 bis 10 000 Vögeln gehalten werden kann. Aber auch diese Zahlen liegen schon recht nahe am Gefahrenpegel, weil Wildvogelpopulationen auch ohne Zutun des Menschen häufig starken Bestandsschwankungen unterworfen sind. Der natürliche Lebensraum der Hühnergans ist auf den kleinen Inseln bereits stark eingeengt worden und wird in Zukunft wahrscheinlich noch mehr beschnitten werden. Da diese Vogelart sehr stark ihre Reviere gegenüber Artgenossen verteidigt, und jede Familie ein recht großes Stück Grasland zur Ernährung benötigt, lassen sich die Gänse nicht einfach auf kleine Gebiete “zusammenpressen”. Ein zu klein gewordener Bestand aber kann durch Inzucht und die in vielen Fällen damit verbundene Unfruchtbarkeit schnell erlöschen. Um rechtzeitig derartigen Möglichkeiten vorzubeugen, werden seit Jahren im Staate Victoria diese Vögel planmäßig gezüchtet, was nicht allzu schwierig ist. Zuverlässige Farmer setzen die Nachzuchtpaare Jahr für Jahr auf den Inseln aus.
Aggressives Verhalten
Die ersten Hühnergänse kamen 1830 nach England und wurden dann bald gezüchtet. Später zogen sie dann in deutsche Tiergärten ein und vermehrten sich dort erfolgreich. Die Haltung dieser Gänse ist nicht schwierig, wenn genügend Platz zur Verfügung steht. Neben einer ausreichenden Weidefläche sind sie mit klaren Wassertümpeln zufrieden. Schwieriger ist die Abtrennung von den anderen Bewohnern des Geheges. Sie überklettern oder überfliegen in ihre Wut auf andere Vögel selbst hohe Zäune, töten erreichbare Mitbewohner - sogar Kraniche - und gehen Pfleger an, wenn er der Familie zu nahe kommt. |
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Als wärmebedürftige Tiere benötigen die Hühnergänse im Winter eine geschützte Unterkunft, auch tagsüber bei Frost und wenn der Schnee hoch liegt. Ansonsten passen sie sich weitgehend unserem Klima an. Bei längerer Haltung brüten sie in unserem Frühling, wenn auch zeitig im Jahr. In einigen deutschen Zoos wurde schon Ende Januar mit der Eiablage begonnen und nach einer Brutdauer von etwas über fünf Wochen fand der Schlupf statt. Die Gössel konnten trotz winterlicher Temperaturen in den Freigehegen aufge - |
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Hühnergänse leben in Dauerehe |
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Leicht züchtbar Die Hühnergänse sind ausgesprochene Weidevögel, die gute Grasnahrung jedem anderen Futter vorziehen. Während der kalten Jahreszeit nehmen sie notgedrungen etwas Mischfutter und Getreide, Kohl, getrocknete Brennessel, auch kann man ihnen geriebene Möhren und Rüben geben. Die Züchtung dieser Gänse auch außerhalb der Tiergärten ist schon oft geglückt. Bei gesonderter Haltung ist sie nicht besonders schwierig, wenn man die Gefiederten in Ruhe läßt. Vor allem das brütende Weibchen ist gegen alle Störungen sehr empfindlich, verläßt das Gelege oder verteidigt es derart, daß die Eier zerstört werden. Das Nest selbst ist wenig umfangreich und wird im Winter auch im Stall angelegt, die Eier werden meist in Dunen eingebettet. Da das Gelege oft unbefruchtete Eier enthält, sollten diese entfernt werden, wenn das Weibchen vorübergehend auf Futtersuche ist, denn aufgeschreckte, brütende Hühnergänse gehen nicht mehr auf das Gelege zurück. Ruhiger Umgang mit ihnen ist unbedingt erforderlich. Verlassen sie das Nest von selber, dann werden die Eier sorgfältig zugedeckt und so vor Abkühlung geschützt. |
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Die Jungen sind vom ersten Tag an sehr beweglich, folgen den Eltern, insbesondere dem Weibchen gleich auf die Weide, die ihnen die erste Nahrung bietet. Bei kalter Witterung, besonders in Regenperioden, sollte sich die Mutter mit dem Nachwuchs in einem Stall aufhalten können; das Männchen muß draußen bleiben. Es steht dann meist vor dem Stall und hält Wache. Sind die Jungen ausgewachsen, sollten sie in eine andere Voliere gesetzt werden, weil sie von den Alten dann abgesetzt und nicht mehr geduldet werden. |
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Diese interessanten Gänse, die mit drei bzw. vier Jahren geschlechtsreif werden, leben in Dauerehe. Sie laufen gern, schwimmen aber schlecht und ungern. Treibt man sie ins Wasser, so versuchen sie, sofort wieder an Land zu kommen. Es sind zwar im Verhältnis zu anderen Wildgänsen noch ausgesprochen seltene Pfleglinge, die aber sicher im Laufe der Zeit noch Einzug bei den Liebhabern des Wasserziergeflügels halten werden. Wolfgang Unfricht |
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