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In enzyklopädischer Fachkiteratur, aber auch in der Fachpresse über Vögel und Geflügel liest man sehr oft nur standatisierte Charakterzüge vo dieser oder jenen Vogelart. Gerade bei wildlebenden ist es bestimmt nicht einfach, diese in der Natur zu beobachten. Es sind unzählige Stunden und unterschiedliche Beobachtungen von vielen Personen nötig, um den charakter oder das Verhalten einer Art genau zu beschreiben. Auch wir Vogelliebhaber glauben nach jahrelanger Haltung und Züchtung manche Arten besonders gut zu kennen. Dann gibt es aber eines Tages Vorkommnisse, die zum Staunen Anlaß bieten. Von solchen abweichenden Verhalten und nicht alltäglichen Ereignissen, von denen nur selten geschriben wird, soll hier die Rede sein.
Frustierte Entenmütter
Grundlos geben Enten weder ein Gelege noch ihrn Nachwuchs auf, kurz - Entenweib- chen sind meist hervorragende Mütter. Manchmal sind sie es so sehr, daß sie sogar nach Ersatz suchen, wenn ihre Brut abhanden kommt. Seit zwei Jahren nehme ich meinem Büffelkopfweibchen, in der Zeit kurz vor dem Schlupf, ihre Eier weg und tausche sie gegen einige Mandarinenteneier im Endstadium aus, die unter ihr schlüpfen. Nach Möglichkeit selektioniere ich für Entenammen nur weibliche Entenküken, um eine spätere geschlechtliche Prägung zu vermeiden. Das heißt, daß man die Küken noch vor dem Verlassen des Nestes sexiert und der Adoptivmutter nur die kleinen Weibchen läßt. Programmgemäß verließ die Büffelkopfente mit zwei Mandarinentenküken das Nest und damit begannen wilde Verfolgungsjagden auf alles was kreucht und fleucht - wie sich das halt für eine richtige Büffelkopfente gehört. Am gleichen Tage hatte ich zufällig bis zum Nachteinbruch am Teich zutun. Plötzlich hörte ich einen erschrockenen, spitzen Aufschrei eines Mandarinentenkükens und ein furchtbares Aufgeregtsein und Flügelschlagen der Büffelkopfente. Da es schon sehr dunkel war, konnte ich nicht mehr sehen, was auf dem Teich passiert war. Am nächsten Morgen stellte ich fest, daß die beiden Mandarinentenküken verschwunden waren. Kurz darauf fand ich eine kleine Leiche angefressen von einer Ratte. Eine Rattenfamilie hatte sich, von mir unbemerkt, im Seggendickicht niedergelassen. Den Verlust der Küken hatte meine Büffelkopfent aber nicht so einfach hingenommen. Noch in der Nacht hatte sie sich eine andere Mandarinentenbrut angeeignet. Die Küken waren schon 15 Tage alt und in Begleitung ihrer Mutter. Aber das machte der Büffelkopfente nichts aus. Die Jungenten wurden mitsamt der Mutter, mit unglaublicher Leidenschaft gegen alle anderen, einschließlich ihres eigenen Erpels, verteidigt. Am Anfang etwas verdutzt, aber angesteckt und ermutigt von der Büffelkopfente, begann kurz darauf auch die Mandarinente das gleiche Verhalten zu zeigen. Die beiden Entenmütter, inklusive der Küken, mußten von allen anderen Teichbewohnern, im weiten Bogen umgangen werden. |
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Ich nahm nun an,daß es sich bei diesem Verhalten der Büffelkopfente, um einen Ein- zelfall handelte. Aber das war nicht so. In diesem Moment, wo ich diese Zeilen schrieb, zeigte eine Argentinische Ruderente ein ähnliches aber noch eigen - artigeres Verhalten. Es hat den Anschein, als ob die weiblichen Ruderenten über - haupt kein Interesse an ihren Erpeln haben. Von Natur aus gibt es auch keine echte Paarbildung bei dieser Entengruppe. Die Erpel paaren sich, wenn sich die Ge - |
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Chile-Spitzschwanzerpel betreut gestohlende Stockentenküken Foto:Roy |
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legenheit präsentiert, mit allen Weibchen, die nur wollen. Allerdings habe ich oft festgestellt, daß viele Weibchen ihre Erpel nicht wollen. So auch die, die ich aktuell besitze. Sie legt Eier, ohne sich vom Erpel begatten zu lassen, obwohl er sich mit der Balz enorm viel Mühe gibt. Den einzigen Lohn, den er erntet, ist von ihr angegriffen und verjagt zu werden. Vor zwei Jahren hatte sie zwei Entenküken aufgezogen und seitdem keines mehr. Sie tätigt bis zu drei Gelege pro Jahr, gibt sich viel Mühe mit dem Nestbau, und mit eben soviel Hingabe bebrütet sie ihre Eier (meist drei). Sie ist schon bis zu 40 Tage auf den Eiern sitzengeblieben, bis ich ihr die schon angefaulten Eier wegnahm. Nach der diesjährigen zweiten erfolglosen Brut hat sie nun “die Lösung” für ihr Problem gefunden. Sie löste die Eltern einer schon 40 Tage alten Rotschulterentengruppe ab, die sich sowieso schon nicht mehr um ihren vollständig befiederten Nachwuchs zu kümmern schienen, da sie noch ein neues Gelege beginnen wollten. Obwohl es die halbwüchsigen Jungen der Rotschulterente garnicht mehr nötig hatten beschützt zu werden, schaffte die Ruderente ganz eifrig ständig ein Niemandsland um sie herum und begleitete sie auf Schritt und Tritt. Auch ich wurde ständig von ihr angefaucht. In der Natur kennt man auch gewisse Arten von Adoptionen. So zum Beispiel bei nordischen Tauchenten der Artengruppen Bucephals und Mergus. Wenn es zu territorialen Auseinandersetzungen unter den Weibchen kommt, verliert manchmal die Verjagte an die Siegerin ihre Küken, da sich diese bei den Kämpfen vermischen. Solche Weibchen betreuen alles, was sich ihrem Schof anschließt. Auch die sogenannten Kindergärten der Eiderenten sind mehr oder weniger Adoptionen,zu denen sich meist auch die auch die erfolglosen Weibchen hinzugesellen. Jedoch das absichtliche Nachwuchsaneignen, vor allem wie bei meiner Ruderente, einer völlig anderen Art, ist doch recht eigenartig. Es ist durchaus möglich, daß es solche Vorkommnisse auch in der Natur gibt.
Entenweibchen sind gute Mütter
Noch etwas verrückteres hat bei mir eine alte Versicolorente angestellt. Ich besaß vor Jahren ein Geschwistertrio, ein Erpel und zwei Enten. Eigentlich waren aber die zwei Weibchen fest verpaart. Sie ließen sich nur vom Erpel begatten, wenn eines der Weibchen brütete. Weil gerade die eine Ente beim Legen war und sich mit dem Erpel paarte, sollte die andere weiter in ihre Nisthöhle auf ihren unbefruchteten Eiern brüten. Da die Sache aber länger dauerte als sonst, begannen die Eier schon zu faulen. Ich ersetzte sie durch frische Zwerghuhneier (Chabo) aus dem Kühlschrank. Nach 23 Tagen vernahm ich Gepiepse von Hühnerküken aus dem Nest. Damit hatte ich nun doch nicht gerechnet, daß aus Kühlschrankeiern etwas schlüpfen kann. Die Versicolorente, unter der schon mehrmals Mandarinentenküken geschlüpft waren, wunderte sich anscheinend nicht über die für sie eigenartigen Wesen. Als ich die Hühnerküken entdeckte, waren sie schon etwa zwei oder drei Tage alt. Die Ente war immer treu und brav zu den Küken zurückgekehrt, um sie zu wärmen, denn sie konnten alleine nicht aus der Höhle klettern. Es wurde höchste Zeit, ihnen Futter zu reichen. Sie wurden nachts zu einer Glucke gesetzt, die gerade geschlüpfte Küken führte. Sie befand sich in einem kleinen Gehege mi Sichtschutz. Am nächsten Morgen lief die Versicolorente aufgeregt um das Gluckengehege. Sie wollte ihre Jungen haben. Die Sache wurde noch verschlimmert, da auch die Hühnerküken die Stimme der Ente wiedererkannten und jämmerlich piepsten. Wiederholt versuchte sie, an die Küken heranzukommen. Erst nach 14 tagen gab sie endgültig auf.
Auch Erpel sind gute Väter
Generell kümmern sich Erpel nicht um die Kükenaufzucht. Es gibt aber Ausnahmen unter einigen inselbewohnenden und endemischen Arten. Vor allem sind es aber eine |
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Chabohenne betreut gemischte Kükengruppe Foto:Roy |
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kleine Anzahl an südamerikanischen Entenarten, deren Erpel sich echt an der Nachwuchsaufzucht beteiligen. Bei mir hatte es ein Chile - Spitzschwanzerpel so eilig mit dem Vatersein, daß er nicht wartete, bis seine Ente mit ihren Küken kam. Er eignete sich den Nachwuchs einer Stockente an, die es wider meines Willens geschafft hatte, sich auf meinem Grundstück niederzulassen um bei mir zu brüten. Der Chile - Spitzschwanzerpel verscheuchte die Stockentenmutter und |
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übernahm den Schutz und die Verteidigung der Stockentenküken, ohne sie jedoch zu hudern.
Mandarinerpel sind besser als ihr Ruf
Eigentlich sind die Rotschultererpel die rührenden Väter. Unter ihnen gibt es sogar Individuen, die Tendenzen zum Brüten zeigen. Schon zweimal habe ich Erpel kurz vor oder während des Schlupfes auf den Eiern oder Küken gesehen. Bei einem Bekannten sah ich sogar, wie ein Rotschultererpel seine fünf Tage alten Küken huderte, weil seine Ente einen Tag zuvor durch einen eingedrungenen streunenden Hund umkam. Eine ähnliche Begebenheit erlebte ich ganz am Anfang meiner Entenhaltung mit einem Mandarinerpel. Von ihnen sagt man allgemein, daß sie sich mit Beginn der Brut ihrer Ente zu “Männerclubs” zum Mausern zusammentun und sich nicht mehr um das weitere Geschehen der Reproduktion kümmern. Jedoch sehr festverpaarte und besonders eifersüchtige Männchen geben ihre Ente während der Brut nicht auf. Sie sitzen direkt vor oder neben dem Einflugloch und halten Wache. Solche Erpel mausern dann auch später und begleiten ihre Ente mit dem Nachwuchs. Leider wurden, trotz der doppelteten Bewachung, die Entenküken bis auf eines von den Elstern weggeholt. Auch die Ente wurde eines Nachts durch einen tierischen Räuber geholt, da noch kein elektrischer Zaun installiert war. Der Erpel übernahm nun die schützende Rolle über das einzig verbliebene Küken. Er huderte es jedoch nicht und vermied auch jeden körperlichen Kontakt. Es durfte aber niemand an das Junge herantreten, sonst gab es wütende Attacken seinerseits. Das Küken war ein Weibchen, mit dem er sich in der folgenden Saison verpaarte.
Flegelhaftes Benehmen der Erpel
Von der Menschheit enttäuschte Leute haben manchmal die Tendenz, Tiere zu vergötzen. Aber je mehr man sich mit Tieren beschäftigt, desto öfter muß man feststellen, daß es in der Tierwelt auch sehr hart und rüpelig zugeht. So findet man alle so typischen menschlichen Auswüchse, auch bei den Tieren wieder. Zum Beispiel bei den in Hinterasien verherrlichten und für Treue symbolisierten Mandarinenten kommt es nicht selten vor, daß mancher Erpel aus Eifersucht oder aus Bosheit sein und andere Weibchen vergewaltig und das auf sehr rüde Art. Auch mein Argentinischer Ruderentenerpel zeigte dieses Verhalten. Nie hatte ich ihn dabei gesehen, daß er sich mit der Ente paarte. Außerdem wußte ich sie brütend auf ihren Eiern. Ich beobachtete ihn dabei, wie er versuchte, ein 25 Tage altes Knäckentenjunges zu begatten, weil er das bei seiner Ente nicht durfte. Nun hatte ich des Rätsels Lösung. Ich wunderte mich immer warum er besonders aggressiv gegenüber den kleinen Entenarten war und alle verfolgte. Er versuchte sie also nicht zu attackieren, sonder sich mit ihnen zu paaren bzw. sie zu vergewaltigen. Auch Hottentottenerpel können mitunter ein recht flegelhaftes Benehmen an den Tag legen. Seit etwa zwei Jahren zeugt mein schon recht betagtes Hottentottenpaar einen deutlichen Überschuß an weiblichen Nachkommen. So besitze ich aktuell einen Erpel und vier Enten. Eine Ente, die zweitälteste, hat es geschafft, als offizielle Partnerin von ihm anerkannt zu werden. Als eine dritte, junge Ente Eier zu befruchten hatte, zeigte sie ihm , daß auch sie gerne Mitglied seines Harems werden würde. Sie bekam aber eine Abfuhr. So sah sie sich anderweitig um und fand einen Partner beim Nachbarn. Sie konnten sich jedoch nur sehen, da der Gartenzaun, mit engmaschigem Draht, dazwischen war. Stundenlang hielten sich die beiden am Gartenzaun auf und beknabberten sich manchmal die Schnabelspitzen. Diese Konkurrenz ließ aber der Hottentottenerpel, als Haus - bzw. Gartenherr, nicht zu. Er begattete die Ente an Ort und Stelle, was zur Folge hatte, daß alle Eier befruchte waren.
Was geschieht mit der Eischale geschlüpfter Küken
Allgemein haben wir Wildentenzüchter immer wieder festgestellt, daß nach dem Schlupf und Verlassen des Nestes keine oder maximal eine leere Eischale im Entennest zurückbleibt. Es heißt, sie werden von der Ente aufgefressen, um ein Kalkdefizit auszugleichen. Mein Kappensägerweibchen ist nistplatztreu wie keine |
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andere Ente. Ihr angestammter Platz ist sei jeher, egal welche Nisthöhle, auf der Terrasse vor dem Küchenfenster. Wenn das Nest im Frühjahr nicht rechtzeitig auf - gestellt wurde und sie gezwungen ist in ein anderes Nest zu legen, gibt sie dieses prompt auf, sobald das Nest an ihrem Lieblingsplatz steht. Das ist sehr praktisch, denn man kann genau den Verlauf der Brut verfolgen. Als es vor zwei Jahren wieder - einmal mit dem Schlupf der Küken soweit war, lag plötzlich am Teichrand, etwa 10 m vom Nest entfernt, eine weiße Eischale, die |
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Während die Chabohenne und die Hühnerküken ein Staubbad nehmen, warten die Entenküken geduldig Foto:Roy |
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ich sofort als eine Sägereischale erkannte. Nach dem ersten Schreck stellte ich aber fest, daß es eine Schale vin einem ganz normal geschlüpften Küken war. Wie kam sie dorthin?.Nach einer halben stunde hatte ich die Lösung des Rätsels. Angekündigt |
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Rotschultererpel sitzt mit seiner Ente auf den geschlüpften Küken Foto:Roy |
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durch den rauhen, harschen Ruf der Sägerente, der wie üblich anzeigt, daß sie beim Verlassen des Nestes war, stand sie mitten auf der Terrasse, mit einer weiteren Eischale im Schnabel. Sie trug insgesamt vier Eischalen heraus und ließ sie meines Erachtens fallen, wie es ihr in den Sinn kam. Nicht gerade sehr vorsichtig! Das mag eventuell Feinde anziehen. Es ist allerdings das erste Mal, daß ich so etwas gesehen habe und auch ganz bestimmt noch nicht vorgekommen ist, weder beim |
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Sägerweibchen noch bei einer anderen Ente. In diesem Jahr hat sich das nicht wiederholt und ich lag schon mit dem Fotoapparat auf der Lauer. Was soll man davon halten? Ist es ein anormales Verhalten für Enten?
Heidi Roy |
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