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 Kurzschabelgans
Kurzschnabelgans Bild
Kurzschnabelgans Karte

Lebensweise:
TIMMERMANN und RINGLEBEN bezeichnen als typische Brutbiotope felsige Gebiete oberhalb 400 m ü.d.M. Die Nester werden in lockeren Kolonien vornehmlich auf schmalen und vegetationsarmen Terassen der Canontäler und Randberge, auf Flußinseln oder zerklüfteten Lavafeldern errichtet.  Diese Örtlichkeiten gewähren einen guten Schutz gegen den Polarfuchs. SCOTT und FISCHER durchforschten 1951 erstmalig den weitaus größten Brutplatz der Kurzschnabelgans auf Island am Fuße des
Hofs - Jökull - Gletschers. Er erstreckt sich über die 114 qkm große, sumpfige Entwässerungssenke des Gletschers, 600 m ü.d.M. Auf 81 qkm wurden dort 2 300 Nester registriert, das entspricht 75% des isländischen Gesamtbestandes. Die riesigen Schmelzwassermassen bilden hier weiträumige Sumpfflächen, Moore, Seen, Gräben und reißende Flüße. Die überaus üppige und schnellwüchsige arktische Vegetation der Wiesen besteht vorrangig aus flachwüchsigen Weiden, Zwergbirken, ferner aus Wollgräsern, Löwenzahn, Wiesenschaumkraut, Storchschnabel und alpiner Vogelmiere. Auf den trockenen Moränenwällen gedeihen Steinbrech - Arten. Die Nester werden meist auf den Moränenwällen, den höchsten Stellen im Nestrevier, errichtet. Die Ankunft in den Brutgebieten erfolgt auf Island Anfang bis Mitte Mai, auf Grönland und Spitzbergen im Juni. Bereits wenige Tage später beginnen Nistplatzwahl,
Nestbau und Eiablage. Die Gelege enthalten 3 - 8, meist 5 - 8 glanzlos gelblichweiße Eier. Vor der Bebrütung wird die Nestmulde sehr reichlich mit Dunen und Nestfedern ausgelegt. Während der 25 - 28 tägigen Brutdauer wacht der Ganter in Nestnähe , später beteiligt er sich an der Führung der Gössel. SCOTT und FISCHER geben von den Sommerbeobachtungen folgenden Bericht:
Die Eiablage erfolgt zwischen 12.und 24. Mai, um den 22. Juni schlüpften die meisten Jungen. Am 3. Juli beginnen die nichtbrütenden und am 10. Juli die Junge führenden Altvögel mit der Schwingenmauser. Während der Flugunfähigkeit der Altvögel rotten sich die Familien zu riesigen “Fußgänger - Herden” zusammen. Die Junggänse, bei denen in den ersten Wochen die Beinmuskulatur besonders stark wächst, können bereits ebenso schnell und fast so ausdauernd laufen wie die Altvögel. Anfang August erlangen alte und junge Gänse die Flugfähigkeit und ziehen dann bald in die Wintergebiete ab.

Nahrung in der Natur:
Sie ist ganzjährig rein pflanzlich. Während des Sommers werden Blätter, Stengel und Knospen vieler Kräuter und Gräser, vor allem von Knöterich und Schachtelhalm aufgenommen, im Winter außerdem alle erreichbaren Feldfrüchte.

Haltung und Zucht:
Die Kurzschnabelgans unterscheidet sich in der Unterhaltung nicht von der Saatgans, doch ist sie etwas seltener in zoologischen Gärten und vornehmlich bei britischen Züchtern anzutreffen.
Zuchterfolge gehörten lange zu den Seltenheiten. So legte und brütete im Berliner Zoo nach 1910 mehrere Jahre hintereinander eine einzelne Kurzschnabelgans.
BRODEL bracht 1954 ein Wildfangpaar zur Fortpflanzung, das seit 1936 in einem großen Obstgarten lebte. Im November 1970 erhielt KOLBE eine flügelverletzte Gans
und im Frühjahr 1973 einen Ganter , der bereits 12 Jahre im Tierpark Berlin lebte.
Bereits im April wurde reges Balzverhalten gezeigt, das Weibchen bildete einen starken Legebauch, gegen Ende Mai ebbte die Brutstimmung ab; 1974 wurde wiederholt kopuliert und im Mai 1976 auch ein Nest errichtet und der Nestplatz
(eine Insel) gegen Zwerggänse verteidigt, doch zur Eiablage kam es nicht. In Westeuropa wird die Kurzschnabelgans heute erfolgreich gezüchtet, und ein großer Teil der gegenwärtig gepflegten Tiere ist in Gehegen geboren und demzufolge fortpflanzungsbereiter als die Wildfänge. Jungvögel paaren sich innerhalb des ersten Lebensjahres, begatten sich ab zweitem und beginnen meist ab drittem Jahr mit der Brut. Eiablage im Wildfowl Trust und im Institut für Verhaltensforschung Seewiesen,
Oberbayern, um den 20. April.
Die Bastardierungsneigungen der Kurzschnabelgänse ist sehr groß, in Seewiesen erfolgten über 50% aller Bruten mit artfremden Partnern.